Schwindel und Drehschwindel aus Sicht der TCM: Ursachen und Ernährungstipps

Foto einer Frau, die sich die Hand an die Stirn hält (von  Fotolia)

Als ich etwa 30 war, hat es angefangen: Schwindelanfälle, immer ohne Vorankündigung und ziemlich heftig. Am Anfang kam es nur alle paar Monate vor und ich dachte mir nichts dabei, dann wurde es häufiger und ich bekam doch etwas Angst, was wohl mit mir los sei.

Ich kann mich erinnern, dass ich im Bett lag und sich plötzlich alles zu drehen begann. Es war ziemlich heftig, aber nach ein paar Minuten wieder vorbei.

Genau in dieser Zeit habe ich die TCM-Ernährung kennengelernt und meinen Lebensstil Schritt für Schritt umgestellt. Und siehe da, der Schwindel kam höchstens noch ein- oder zweimal, danach nie wieder, bis heute nicht! (Ausnahme: In meinen Schwangerschaften, aber das hatte andere Ursachen.)

Mit meinem heutigen Wissen über die TCM bin ich mir sicher, dass die Ursache meiner damaligen Schwindelanfälle eine Leber-Hitze war, verbunden mit innerem Wind und Schleim, der in den Kopf steigt. Und woher kam das? Ich würde mal sagen, zu 99 % von meinem hohen Schokoladenkonsum über viele Jahre. Schokolade wirkt erhitzend und verschleimend und belastet nicht zuletzt die Leber. Und gerade die Leber spielt bei vielen Arten von Schwindel eine große Rolle.

Die häufigsten Ursachen von Schwindel und wie du sie unterscheidest (gereiht nach der Stärke des Schwindels)

Wichtiger Hinweis: Es müssen nicht alle Symptome vorliegen, damit ein Syndrom auf dich zutrifft. Je mehr Symptome du bei dir entdeckst, desto stärker ist das Syndrom bei dir ausgeprägt. Ich gebe dir hier einen Überblick, der eine genaue Diagnose nach TCM nicht ersetzen kann.

Denke auch immer an eine Verspannung des Nackens als mögliche Ursache, außerdem an einen möglichen Bluthochdruck.

1. Qi- und Blutmangel

  • eher leichter Schwindel
  • ausgelöst durch Aufstehen (Lagewechsel)
  • wird im Liegen und Ausruhen besser
  • ausgelöst durch Unterzuckerung bzw. Auslassen von Mahlzeiten
  • begleitet von niedrigem Blutdruck
  • tritt nach Anstrengung oder nach einer Krankheit auf
  • Schwindel verschlimmert sich durch Bewegung
  • blasses Gesicht, blasse Lippen
  • Blutmangel: trockene Augen, brüchige Nägel, innere Unruhe, Eisenmangel (Anämie)
  • Qimangel: Erschöpfung, Infektanfälligkeit, Verdauungsprobleme, schwaches Bindegewebe

Ursachen: Ernährungsfehler (zu wenig essen, Mahlzeiten auslassen, Diäten, minderwertiges Essen (Fertigprodukte), zu viel kaltes und rohes Essen, zu viel Zucker, zu viel Kaffee, zu wenig Eiweiß, außerdem zu viele scharfe Gewürze und Gewürztees), Krankheiten, Alter, viele Geburten oder zu rasch hintereinander, Überanstrengung

Ernährungstipps

  • Stärke dein Qi und dein Blut durch 3 regelmäßige Mahlzeiten am Tag, vorwiegend aus gekochten Zutaten. Das gekochte Frühstück ist besonders wichtig für die Stärkung des Qi.
  • Baue Nahrungsmittel zur Stärkung deines Blutes ein, wie grüne Gemüsearten, Karotten, Beeren, Kirsche, rote Rübe (rote Bete), frische Kräuter.
  • Achte auf deine Verdauung. Du kannst nur Blut und Qi aufbauen, wenn deine Verdauung gut funktioniert.
  • Verzichte auf zu viel Kaffee und Schwarztee, sie trocknen dein Blut.

Hier findest du 20 Nahrungsmittel, die dein Qi stärken.

2. Leber- und Nieren-Yin-Mangel

  • leichter bis mittelstarker Schwindel, oft chronisch
  • typisch im Alter ab ca. 50
  • häufig begleitet von trockenem Stuhl und Verstopfung
  • trockene Haut und Schleimhäute
  • Hitzewallungen, Nachtschweiß
  • Bluthochdruck
  • Osteoporose
  • innere Unruhe, Nervosität, "dünne" Nerven
  • Schlafstörungen
  • verschwommene Sicht

Ursachen: Ernährungsfehler (wie bei Qi- und Blutmangel),  Folge eines länger bestehenden Blut-Mangels, starke Menstruationsblutungen, zu häufiges Blutspenden, zu häufige Fastenkuren und Diäten, Burnout, chronische Krankheiten

Ernährungstipps

  • Stärke dein Blut (ein wichtiger Teil des Yin) mit speziellen Nahrungsmitteln wie Roter Rübe (Roter Bete, auch als Saft), roten Beeren (nur die frischen), Trockenfrüchten, grünem Gemüse und Wurzelgemüse.
  • Iss Nahrungsmittel für das Yin, wie Samen, Kerne, mineralstoffreiches Getreide (Hafer, Hirse, Vollkornreis, Amaranth, Quinoa), gute Fette und Hülsenfrüchte.
  • Meide zu viel Kaffee und Schwarztee, ebenso scharfe Gewürze, Knoblauch und Zimt.
  • Besonders nährend für das Leber- und Nieren-Yin sind Maulbeeren, schwarzer Sesam, rote Weintrauben, Pinienkerne, schwarze Melasse und Mungbohnen, schwarzer Johannisbeersaft (Direktsaft).
  • So wie beim Qi- und Blutmangel gilt: Achte auf deine Verdauung und iss nur, was du gut verträgst und keine Verdauungsbeschwerden auslöst.
  • Dekokt fürs Leber- und Nieren-Yin (mit Schwindel und verschwommener Sicht): Jeweils 9 g Pinienkerne, schwarzen Sesam, Bocksdornfrüchte (Gojibeeren) und Chrysanthemenblüten in Wasser abkochen und jeden Tag eine Tasse einnehmen. (Quelle: Chinesische Diätetik, Elsevier-Verlag, es steht keine Mengenangabe beim Wasser dabei)

3. Trüber Schleim blockiert den Kopf

  • starker Schwindel, Benommenheit
  • Schweregefühl im Kopf
  • Konzentrationsstörungen
  • Völlegefühl, eventuell Übelkeit und Erbrechen
  • Neigung zu breiigem Stuhl oder Durchfall
  • Gelenkbeschwerden
  • Schwellungen, z.B. geschwollene Augenringe, geschwollene Finger, Blähbauch

Ursachen: Ernährungsfehler (üppiges Essen und Überessen, zu viel fettiges Essen, zu häufige Fleischmahlzeiten, Schokolade, Kakao, Kuhmilch, Weißmehl, Käsebrote, Jogurt, Smoothies, zu viel Rohkost und kalte Getränke, Fruchtsäfte, geröstete Nüsse, Chips)

Ernährungstipps

  • Meide alles stark Befeuchtende (siehe oben bei den Ursachen).
  • Feuchtigkeit ausleitend und Schleim umwandelnd wirken etwa Bohnen, Pilze, Algen, Löwenzahn, Mandarinenschale (als Gewürz oder Tee), Kardamom, Kurkuma, Rettich, Ingwer (Achtung, Ingwer ist erhitzend, nimm nur wenig frischen Ingwer zum Kochen).
  • Meide es, dich zu überessen. Höre auf zu essen, wenn du fast satt bist.
  • Iss früh und leicht zu Abend. Je später du isst, desto eher bildet sich über Nacht Feuchtigkeit, da die Verdauung in der Nacht nur schlecht arbeitet.
  • Achte auf deine Verdauung und iss nur, was du gut verträgst.

4. Leber-Hitze, aufsteigendes Leber-Yang und Leber-Wind

Diese drei gehen ineinander über und zeigen ähnliche Beschwerden, deshalb fasse ich sie hier zusammen.

  • starker bis sehr starker Schwindel
  • Drehschwindel und Morbus Menière
  • plötzlich einsetzender Schwindel, oft nach erhitzenden Speisen oder Getränken oder bei Stress
  • plötzliche, starke Kopfschmerzen
  • Schwindel in der Höhe (Höhenschwindel, etwa wenn man von einem Hochhaus oder Berg herunterschaut)
  • Bluthochdruck
  • rotes Gesicht oder rote Flecken im Gesicht
  • Hitzegefühle im Kopf
  • große Unruhe, Rastlosigkeit
  • gerötete, entzündete Augen, erhöhter Innendruck
  • Neigung zu Verstopfung mit hartem Stuhl
  • Neigung zu trockener Haut und trockenen Schleimhäuten
  • Schlafstörungen, begleitet von Albträumen oder heftigem Träumen, Aufwachen besonders zwischen 1 und 3 Uhr (die Zeit der Leber nach der Organuhr)
  • Hörsturz, plötzlich auftretender Tinnitus
  • Neigung zu Gefühlsausbrüchen, cholerisches Temperament
  • Sehstörungen
  • Zittern von Händen und Füßen, Krämpfe und taube Gliedmaßen, typisch bei Leber-Wind (der entsteht aus großer Hitze oder starkem Blutmangel)

Ursachen: Ernährungsfehler (zu viel Fleisch, Wurst, erhitzende Gewürze wie Pfeffer, Chili, Knoblauch, Zwiebel, Kaffee, Alkohol, Kakao, Schokolade, Fertigprodukte, Fast Food, Überessen), Wachstum und Hormone in der Pubertät, Yang-Überschuss bei jungen Männern, Leistungsdruck und Stress, heiße Emotionen wie Wut und Zorn sowie über längere Zeit unterdrückte Emotionen (Ärger immer runterschlucken)

Ernährungstipps

  • Nähre dein Leber-Blut und Leber-Yin mit obigen Tipps, da diese eine Leber-Hitze immer begleiten (Hitze „verbrennt“ das Blut und das Yin). Ausreichend Blut und Yin kühlen die Leber und halten das Leber-Yang (Leber-Feuer) unten, sodass es nicht in den Kopf steigen kann.
  • Iss prinzipiell mehr Gemüse, vorwiegend gekocht, und weniger Fleisch und Wurst.
  • Meide scharfe Gewürze, Zimt, Ingwer, Gewürznelken, Anis sowie Zwiebel und Knoblauch.
  • Iss häufig einen kleinen, bitteren Blattsalat zum Essen, wie Radicchio, Endivien oder Chicoree.
  • Stangensellerie (Staudensellerie) als roher Saft oder Dekokt (20 Min. in Wasser auskochen und trinken), Suppe oder gekochtes Gemüse senkt das Leber-Yang aus dem Kopf ab und hilft bei plötzlich auftretendem Schwindel und Kopfschmerzen.
  • Günstige Tees: Chrysanthemenblütentee (chinesischer Tee, in TCM-Apotheken erhältlich), Löwenzahntee, Pfefferminztee, Grüntee, Jasmintee, Kamillentee. Sie eignen sich als Akutmittel bei Schwindel ebenso wie zur Vorbeugung, dann trinke sie allerdings nicht täglich und auch nicht mehr als 1-2 Tassen am Tag, damit keine innere Kälte entsteht.
  • Günstige Nahrungsmittel: Brokkoli, Gerste, Gurke, Melone, Mungbohne, Radieschen, Rettich, schwarzer Sesam, Spinat, Sprossen, Stangensellerie, Tofu, Tomaten, Weintrauben, Zucchini

Quellen: Leitfaden Chinesische Medizin, Elsevier-Verlag; Chinesische Medizin verstehen, Karin Wallnöfer; Chinesische Diätetik, Elsevier-Verlag

Viele Tipps für die Leber, inklusive leberfreundlicher Kochrezepte, Nahrungsmittellisten und einer 6-Wochen-Entgiftungskur, findest du in meinem Buch „Eine starke Leber durch richtige Ernährung“ (Kneipp-Verlag, im Buchhandel erhältlich).

Wichtig: Bitte gehe zum Arzt/Ärztin, wenn du dir wegen deiner Schwindelgefühle Sorgen machst. Es können auch ernsthafte Erkrankungen dahinterstehen.

Ich hoffe, diese Tipps helfen dir ein bisschen weiter! Wenn du noch Fragen dazu hast, schreibe sie bitte in die Kommentare, ich antworte gerne darauf.

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Kommentare

Hallo,Katharina!Mit Deinen wundervollen Tipps hilfst Du mir sehr. (Ich bin der path. Feuchtig./Trockenh. Typ) Nun fliege ich nach Teheran,trockene Hochebene und sehr windig.Ich werde viel Reis,Gemüse,Fleisch und frische Kräuter essen.Man isst dort viel Joghurt,Weißkäse (wie Feta) und frisches Obst.Haferflocken und Ähnliches nehme ich mit.Kann ich Joghurt mitessen,und was tu ich gegen den Wind?Danke für Deine Hilfe!

Liebe Nani,
danke für deinen Kommentar!
In einem anderen Klima würde ich so essen wie die Leute dort, außer natürlich du verträgst etwas nicht. Schönen Aufenthalt!
Liebe Grüße,
Katharina

Hallo liebe Katharina, vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag. Der Schwindel hat bei mir in der letzten Zeit nachgelassen. Da ich HWS Probleme habe ( Abnutzung durch Alter), jeden Tag Übungen mache, werde ich auch deine Empfehlung folgen, was die Nahrung betrifft. Ich hoffe damit auch meine Seh-, Hör- sowie Schlafstörungen ein bisschen zu verbessern. Mit diesen Lebensmittel kann es mir nur besser gehen!

Liebe Dagmar,
danke für deinen Kommentar!
Ja, die Übungen sind sicher sehr wichtig, toll, dass du dich so gut um dich kümmerst. Und ich wünsche dir von Herzen, dass die Ernährungsempfehlungen dir noch ein Stück weiterhelfen!
Liebe Grüße,
Katharina

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