Erhöhter Blutdruck nach TCM –Ursachen und die wichtigsten Ernährungstipps bei Hypertonie

Bluthochdruck nach TCM: Stärke deine Leber! Spazieren gehen hilft auch...

Hast du gewusst, dass die westliche Medizin die genauen Ursachen von Bluthochdruck nicht kennt?

Für die primäre oder essenzielle Hypertonie – das ist die Mehrzahl der Fälle – kann sie nur bestimmte Risikofaktoren aufzählen, wie

  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Stress
  • höheres Alter
  • Alkoholkonsum
  • Vererbung

Auch die Wechseljahre gehören zu den Risikofaktoren (Wechseljahre nach TCM: Ursachen und 10 Ernährungstipps gegen Beschwerden).

Bei der sekundären Hypertonie (nur 10-20 % der Fälle) wird der erhöhte Blutdruck durch eine Krankheit oder Medikamente ausgelöst ist, z.B. Nieren-Erkrankungen, die Anti-Baby-Pille oder Rheumamittel. (Quelle: netdoktor.at)

Etwa die Hälfte aller MitteleuropäerInnen ist davon betroffen – und viele wissen es gar nicht. Das ist insofern gefährlich, als lebensbedrohliche Herz-Kreislauferkrankungen die Folge sein können.

Falls du dir unsicher bist, sind hier typische Symptome von erhöhtem Blutdruck.

  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Sehstörungen
  • Ohrensausen, Tinnitus
  • Gereiztheit
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl von Gliedmaßen

Wichtiger Hinweis: Bitte hole dir eine medizinische Meinung, wenn dein Blutdruck zu hoch ist oder du einen solchen Verdacht hast.

Ich bin Ernährungsberaterin nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und keine Ärztin. Die richtige Ernährung kann sicher einiges bewirken, aber sie kann keine medizinische Behandlung ersetzen.

 

In diesem Artikel zeige ich dir die Herangehensweise der TCM und was du selbst in deiner Ernährung und deinem Lebensstil für deine Gesundheit tun kannst.

Meine Hauptquellen sind: Diplomarbeit "Hypertonie", Bacopa-Institut, von Christoph Holzinger; Leitfaden Chinesische Medizin, Elsevier Verlag (S. 1094ff); Website ChinesischeKrauter.com

 

Die klassische chinesische Medizin kennt den Begriff "Blutdruck" nicht. Daher wird immer nach den Symptomen behandelt, die dann einem TCM-Syndrom zugeordnet werden.

Beispiele:

plötzlich auftretender Schwindel – aufsteigendes Leber-Yang

Kopfschmerzen – Leber-Qi-Stagnation, aufsteigendes Leber-Yang, Leber-Feuer

 

Eine wichtige Ursache von Hypertonie: die Emotionen und Stress

 

Die TCM kennt verschiedene Krankheitsursachen, eine davon sind die Emotionen.

Zu Beginn eines Bluthochdrucks stehen sehr oft Gefühle von Wut, unterdrücktem Ärger und Groll. Diese erzeugen Druck im Körper, je länger sie da sind, desto mehr.

Das Qi kann nicht frei fließen und mit der Zeit entstehen Hitze und noch mehr Druck.

Die Folge: Leber-Qi-Stagnation

 

Kennst du das Sprichwort: "Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen"? Das zeigt den engen Zusammenhang zwischen Emotionen und der Leber.

 

Typische Symptome einer Leber-Qi-Stagnation sind:

  • Kopfschmerzen
  • PMS und unregelmäßige Menstruation
  • häufige Stimmungswechsel
  • depressive Verstimmung
  • wechselnde Verdauungsprobleme (z.B. Verstopfung abwechselnd mit Durchfall)
  • Spannungsgefühl am Rippenbogen
  • Zähneknirschen, Nägelbeißen, häufiges Seufzen

 

Alle Symptome werden unter Stress schlimmer.

Der schwankende Blutdruck, der vor allem bei psychischen Belastungen auftritt, gilt nach TCM als Leber-Qi-Stagnation.

 

Leber-Qi-Stagnation als Frühwarnzeichen für Hypertonie

 

Nutze diese Symptome als Warnzeichen, die dich dazu motivieren, auf deinen Blutdruck zu achten.

Wie du das tun kannst? Mit deiner Ernährung und deinem Lebensstil.

 

Die wichtigsten TCM-Tipps gegen Leber-Qi-Stagnation

  • Mehr Gemüse und gekochtes Getreide
  • Weniger Fleisch – vor allem weniger frittiertes, gegrilltes und scharf angebratenes Fleisch
  • Regelmäßige Mahlzeiten, weniger Snack-Essen nebenbei
  • Hände weg von scharfen Gewürzen
  • Kein Fast Food, keine Fertigprodukte
  • Weniger Zucker (vor allem weniger Industrie-Süßigkeiten)
  • Weniger Kaffee, weniger Alkohol
  • Bewegende Kräutertees wie Frauenmantel, Orangenblüten, Rosenblüten, Pfefferminztee
  • Mehr Grünes, vor allem frische Kräuter und grünes Gemüse
  • Mehr Sprossen, Radieschen, Rettich, grüne Salate
  • Mehr Bewegung (ohne Leistungsdruck)
  • Kreative Betätigung wie Malen, Singen, Tanzen
  • Weniger Stress, besserer Umgang mit Wut, Zorn, Ärger
  • Früher schlafen gehen, Pausen untertags machen

 

Ich denke, gerade die letzten zwei Punkte sind die schwersten, was meinst du?

Leber-Typen sind häufig sehr leistungsorientiert, setzen sich (und die Umgebung) unter Druck und kennen kein Pardon mit sich. Sie sind eher Einzelkämpfer und denken, dass sie ohne Hilfe zurechtkommen müssen.

Da bedarf es schon großer Bereitschaft zur Reflexion und inneren Arbeit, um den Lebensstil entsprechend zu ändern.

Ich will es hier ganz deutlich sagen: Ernährungsänderungen alleine sind bei Bluthochdruck zu wenig, solange der Stress und der innere Druck bestehen bleiben. Der gesamte Lebensstil ist wichtig.

 

Bei Bluthochdruck aufgrund von Leber-Qi-Stagnation helfen die Methoden der TCM am besten, es zahlt sich also definitiv aus, es zu versuchen. Medikamente können so möglicherweise vermieden werden. (Quelle: Leitfaden Chinesische Medizin, S. 1094)

 

Leber-Feuer, Yin-Mangel und emporschießendes Leber-Yang als Folge einer Leber-Qi-Stagnation – der Bluthochdruck wird chronisch

 

Eine länger andauernde Leber-Qi-Stagnation belastet die Leber immer mehr.

Es ist wie im Druckkochtopf – es wird heiß und eng.

Die Hitze verbrennt mit der Zeit unser Blut und die wertvollen Körpersäfte, und schädigt dann auch unser Yin. Das heißt, die kühlenden Substanzen im Körper werden weniger und die Hitze immer stärker.

 

Bei Fülle-Typen ist die Folge ein Leber-Feuer, bei Mangel-Typen ist die Folge ein Yin-Mangel mit hochschießendem Leber-Yang (Leber-Feuer).

Die Ernährungstipps sind für beide ident, mit einem Unterschied: Beim Fülle-Typ darf man stärker kühlen und ausleiten, zum Beispiel auch mit Rohkost. Beim Mangel-Typ sollte man primär aufbauen, also Blut und Yin stärken, und nicht so extrem kühlen.

 

Leber-Feuer– heiß und immer heißer

 

Wenn die Leber so richtig heiß wird, handelt es sich nach TCM schon um einen ernsteren Zustand als bei einer Qi-Stagnation.

Der Bluthochdruck wird schlimmer und chronischer.

 

Typische Symptome eines Leber-Feuers

  • rotes Gesicht (ganzflächig)
  • rote Augen, Bindehautentzündungen
  • starke Kopfschmerzen
  • starke innere Unruhe
  • Hörsturz
  • brennendes Gefühl im Magen, Sodbrennen
  • hitziges Gefühl im Körper
  • starker Durst auf kalte Getränke
  • cholerisches Temperament (Neigung zu starken Wutausbrüchen)

 

Ein Wort zum Temperament: Je plötzlicher, heftiger und häufiger solche Wutanfälle auftreten, desto heißer ist die Leber. Und desto eher besteht die Gefahr von gesundheitlichen Nebenwirkungen.

 

Die wichtigsten TCM-Tipps gegen Leber-Feuer

 

Zusätzlich zu den oben angeführten Tipps bei Leber-Qi-Stagnation gilt:

  • Hände weg vom Alkohol
  • Kühlende Kräutertees trinken, v.a. Löwenzahn, grüner Tee, Kamillentee, Enzianwurzel, Schafgarbe
  • Bei stabiler Verdauung auch mehr Rohkost, v.a. Blattsalate, Gurke, Tomate (auch als Saft)
  • Hauptsächlich pflanzliche Kost (Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte)
  • Überessen meiden, aufhören, wenn man satt ist
  • Kein Knoblauch und Zwiebel

 

Die Medikamente, die die Schulmedizin bei Bluthochdruck verschreibt, sind übrigens stark kühlend. Die Nebenwirkungen davon sind nach TCM, dass das Yang (das "Feuer" im Körper, das wir für unsere Gesundheit ebenso brauchen wie das Yin) mit der Zeit verletzt wird. Daraus kann z.B. ein Nachlassen der Lebensfreude, der sexuellen Lust und der Bewegungsfreude entstehen.

Wichtiger Hinweis: Ich weiß, dass Medikamente in vielen Fällen unbedingt notwendig sind. Mein Tipp: Versuche, durch eine Änderung deiner Ernährung und deines gesamten Lebensstils die Dosis zu verringern.

Akupunktur und TCM-Kräuter (erhältlich bei TCM-ÄrztInnen) können eine gute Unterstützung sein.

Ebenso natürlich Bewegung und Stressreduktion. Besonders Qi-Gong, Tai-Chi und Yoga gelten als sehr hilfreich, um die Leber zu kühlen, den Qi-Fluss anzuregen und den Blutdruck zu senken.

 

Aufsteigendes Leber-Feuer und der Yin-Mangel dahinter - Achtung beim Kühlen!

 

So erkennst du, dass bei dir ein Yin-Mangel hinter dem Bluthochdruck steht:

  • rote Wangen, rote Flecken im Gesicht
  • Hitzewallungen oder Nachtschweiß
  • heiße Füße, heiße Hände
  • trockene Haut, trockener Stuhl, trockene Augen
  • Erschöpfung und Energiemangel, aber Probleme beim Abschalten (die Gedanken "rasen")
  • Einschlaf- und Durchschlafprobleme
  • brüchige Nägel, brüchige Haare, Haarausfall
  • Schreckhaftigkeit, "dünne" Nerven

 

Auch hier gelten die bei der Leber-Qi-Stagnation genannten Tipps.

 

Zusätzliche Tipps für Bluthochdruck mit Yin-Mangel

  • Verdauung (Milz-Qi) stärken mit regelmäßigen, vorwiegend gekochten Mahlzeiten
  • auf die Bekömmlichkeit achten
  • Rohkost nur in Maßen
  • Keine Kuhmilch und Jogurt
  • Weniger Käse und weniger Brotmahlzeiten
  • Kein weißer Zucker
  • Weniger Kaffee, weniger Schwarztee und weniger Yogi- und Ingwertee
  • Nährstoffreiche Zutaten bevorzugen und auf gute Fette nicht vergessen
  • Keine Diäten, keine Mahlzeiten auslassen

 

In diesem informativen Artikel der TCM-Ernährungsberaterin Maria Michalitsch findest du Nahrungsmittel, die speziell bei Bluthochdruck helfen sollen: Bluthochdruck aus der Sicht der chinesischen Medizin

 

Quintessenz:

Die Ernährung kann nur ein Teil einer gesamten ganzheitlichen Behandlung von Bluthochdruck sein, und doch kannst du vieles damit erreichen.

Nimm deine Gesundheit in die eigenen Hände und achte auf einen günstigeren Lebensstil – mit weniger Stress und Druck, mehr Bewegung, mehr Schlaf und Erholung.

Am wichtigsten für die Ernährung nach TCM bei erhöhtem Blutdruck ist:

  • weniger Fleisch
  • keine scharfen Gewürze
  • natürliche Nahrungsmittel verwenden, keine Fertigprodukte
  • weniger Alkohol, Kaffee, Yogi-Tees
  • auf die Verdauung achten und sie pflegen

 

Vielleicht interessiert dich zur Verdauung dieser Artikel:

Dauermüde, Süßhunger und schlechte Verdauung? Die 20 besten Nahrungsmittel nach TCM, um dein Milz-Qi zu stärken.

Mehr Tipps zur Leber sowie einen kleinen Test, ob deine Leber nach TCM im Gleichgewicht ist, findest du bei meinen Gratis-Downloads.

 

Ich freue mich über deine Erfahrungen in den Kommentaren! Wie gehst du mit erhöhtem Blutdruck um, welche Ernährung oder welche Tees haben dir geholfen?

Kommentare

Hallo Katharina,
Ich arbeite an einer Seite die sich von vorne bis hinten um den sagenhaften Blutdruck dreht. Ich mag diesen Ansatz, dass wir selbst einen großen Teil dazu beitragen können. Ich habe nur das Gefühl, dass die Korrelation zwischen Blutdruck und suboptimaler Ernährung ein Verhalten mitbringt, welches nur schwer zu durchbrechen ist.
Wie sind denn deine Erfahrung mit Menschen die ihre Ernährung, bedingt durch Bluthochdruck, umstellen müssen/sollten?

Ich hoffe ich darf noch ergänzen, dass Bluthochdruck sehr häufig ohne konkrete Symptome verläuft und daher nur schwer erkennbar ist. Hier hilft am besten die Selbstmessung um Gewissheit zu haben.

Danke für deinen Artikel
Besten Gruß
Falk

Lieber Falk,
danke für deinen Kommentar und die Ergänzung zur Selbstmessung!
Meine Erfahrungen mit Ernährungsumstellung grundsätzlich sind, dass es nur dann geht, wenn jemand wirklich will und bereit ist, seine Ernährung zu ändern. Die Motivation muss aus einem selber kommen, nicht von außen. Ein gewisser Leidensdruck ist dazu leider oft notwendig.
Liebe Grüße,
Katharina

Hallo Katharina, mein Vater beherzigt schon all diese Sachen hier. Er hat einen angeborenenen hohen Blutdruck, schon bekommen in jungen Jahren. Er bekommt Medikamente, aber offensichtlich tun die ihren Dienst nicht. Gibt es nochetwas aus der TCM um dem ganzen wieder etwas mehr Stabilität zu geben? Das wäre schön. Den ansonsten ist mein Vater noch recht fit und er soll es auch bleiben.
Liebe Grüsse
Katja

Liebe Katja,
danke für deinen Kommentar!
Ihr könntet noch TCM-Kräuter ausprobieren, um den Blutdruck mit natürlichen Mitteln zu senken (das geht auch zusätzlich zu den Medikamenten). Diese bekommt dein Vater bei einem TCM-Arzt/Ärztin in eurer Nähe.
Liebe Grüße und alles Gute für euch,
Katharina

Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Ich leide auch an erhöhten Blutdruck. Zum Teil bedingt durch Medikamente ( Venlafaxin ). Ich bin auch dabei meine Ernährung umzustellen. Weniger Fleisch dafür mehr frisches Gemüse/ Obst. Ich hoffe das ich dadruch in den nächsten Monaten erste Erfolge sehen werde. Liebe Grüße Katharina

Danke Therese, dein Feedback freut mich sehr!
Liebe Grüße,
Katharina

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