Gute Fette, schlechte Fette – Wie Butter, Olivenöl und Co. nach TCM wirken

Olivenöl - ein gesundes Fett (Foto Pixabay)

Mache einmal folgenden Vergleich:

Iss ein gekochtes Frühstück ohne Fett, z.B. Haferflockenporridge mit Apfel oder eine Gemüsesuppe.

Am nächsten Tag iss ein Frühstück mit Fett, z.B. den Porridge mit Nüssen und einem Schuss Sahne (Obers). und die Gemüsesuppe mit Kürbiskernen und Kürbiskernöl.

Welches Frühstück macht dich länger satt?

Die meisten von uns bleiben mit der zweiten Variante deutlich länger satt und zufrieden.

Fett ist nämlich ein richtiger Sattmacher, was wiederum das Entstehen von Heißhunger verhindern kann.

Fett ist außerdem ein lebensnotwendiger Nährstoff, den unser Körper braucht, um gesund zu bleiben.

Natürlich kommt es stark auf die Art des Fetts an, es gibt empfehlenswerte Fette und weniger empfehlenswerte Fette.

Ich beschränke mich in diesem Artikel auf Pflanzenöle und Butter.

Schlagobers (Sahne) und Sauerrahm sind übrigens nach TCM ebenfalls empfehlenswerte Fettquellen, die ähnlich wie Butter wirken (siehe unten).

Die Fettlieferanten Nüsse, Samen und Kerne sind nach TCM günstig, in diesem Artikel findest du mehr zu ihrer Wirkung.

Für diesen Artikel greife ich auch auf westliche Quellen zurück, da sich in den TCM-Büchern zu dem Thema nicht viel findet.

Die  Wirkung von Butter, Butterschmalz und Pflanzenölen nach TCM

  • tonisieren das Yin
  • befeuchten Trockenheit
  • befeuchten den Darm

Günstig bei:

  • Auszehrung und Erschöpfung
  • Gewichtsverlust
  • trockenem Husten
  • trockener Haut
  • Verstopfung mit trockenem Stuhl

Achtung mit allen Fetten bei Durchfall. (Hilfe bei Durchfall: Die 10 besten Nahrungsmittel nach TCM bei Diarrhoe)

Besonders empfehlenswerte Fette nach TCM:

1. Butter: stärkt Qi, Blut und Yin

Aufgrund ihres Bezugs zur Lunge wird Butter speziell bei trockenem Husten und Husten mit blutigem Auswurf empfohlen.

Achtung: Erhitze Butter nur mäßig. Wenn sie zu heiß wird, entwickelt sie schädliche Stoffe. Wenn du etwas scharf anbraten oder frittieren willst, nimm lieber Butterschmalz oder Kokosfett, diese stabilen Fette verändern sich nicht bei hoher Temperatur.

 

2. Olivenöl: stärkt Nieren- und Leber-Yin und Blut, kann Feuchtigkeit auflösen

Olivenöl wird deshalb empfohlen bei Bluthochdruck, Gallensteinen, Übergewicht und zur Krebs-Prophylaxe. Außerdem zur Stärkung von Gehirn und Knochen und bei Neurodermitis (auch von außen). (Quelle: Praxisbuch Nahrungsmittel und Chinesische Medizin, Bacopa-Verlag)

Achtung: Erhitze Olivenöl nur mäßig. Wenn es zu  heiß wird, entwickelt es schädliche Stoffe (Transfette). Faustregel: bis zur Stufe 6 von 10 am Herd und im Backrohr bis 180 Grad.

 

3. Sesamöl: stärkt Nieren- und Leber-Yin sowie das Qi, kann Feuchtigkeit auflösen, entgiftend

Sesamöl hilft nach TCM gegen vorzeitiges Ergrauen, stärkt das Gehirn und die Knochen. Äußerlich angewendet hilft es bei Ekzemen und Hautpilz.

Gemeint ist hier das ungeröstete Sesamöl (es gibt auch ein geröstetes Sesamöl zu kaufen, das sich durch seinen starken Duft auszeichnet).

Ebenso wie Olivenöl ist Sesamöl fürs Kochen und sanfte Anbraten geeignet, soll aber nicht zu stark erhitzt werden.

Sesamöl wird aus westlicher Sicht wegen der ungünstigen Zusammensetzung der Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren weniger empfohlen (z.B. auf Sasha Walleczeks Fettschummelzettel).

 

Einkaufstipp:

Bitte achte immer auf erstklassige Qualität. Am besten Bio-Butter und bei Ölen aus erster Pressung (kaltgepresst, extra vergine).

Fette, die aus westlicher Sicht speziell empfohlen werden

1. Kokosöl/Kokosfett: darf erhitzt werden, soll ungehärtet/unraffiniert sein

Der Unterschied zwischen Kokosöl und Kokosfett ist eigentlich nur die Konsistenz – Öl ist flüssig, Fett ist fest. Da Kokosöl erst ab 25 Grad flüssig wird, ist es bei unseren Temperaturen normalerweise aber auch fest, sodass die Unterscheidung nicht immer einheitlich ist.

Das native Kokosöl hat noch den Geschmack nach Kokosnuss, das als Kokosfett bezeichnete Fett ist häufig desodoriert und damit geschmacklos und etwas weniger wertvoll als das native Kokosöl. Achte unbedingt darauf, dass "unraffiniert" darauf steht (mehr zur Herstellung und zur Unterscheidung der verschiedenen Qualitäten).

Kokosöl wird übrigens erst ab 25 Grad flüssig, deshalb ist es bei unseren Temperaturen normalerweise im festen Zustand erhältlich.

Über die tollen Wirkungen von Kokosfett und Kokosöl hast du sicher auch schon gelesen, es ist gerade sehr in Mode und gilt gar als Superfood. Kokosöl soll gegen Viren und Bakterien wirken, Candida eindämmen und positiv auf das Cholesterin wirken (mehr zur therapeutischen Anwendung von Kokosöl).

Musst du jetzt unbedingt Kokosöl essen, um gesund zu bleiben? Die Antwort ist natürlich Nein.

Es gibt kein einzelnes Nahrungsmittel, das uns gesund machen oder erhalten kann. Es ist immer die Kombination von vielen Faktoren – von der Ernährung über Bewegung bis zum Schlaf und Stress (meine Meinung zu Superfood).

 

2. Leinöl: nur für die kalte Küche

Leinöl wird aufgrund seines hohen Anteils an den guten Omega-3-Fettsäuren empfohlen. Es ist allerdings fraglich, wie gut das der Körper aufnehmen kann. Es scheint bei jedem verschieden zu sein.

Der Geschmack von Leinöl ist gewöhnungsbedürftig und ich würde es nicht nehmen, wenn es dir nicht schmeckt. Meine persönliche Erfahrung damit ist, dass ich es zwischendurch kaufe und dann nicht verwende – ich denke, der Körper weiß, was ihm gut tut!

Achtung: Leinöl wird sehr schnell ranzig und damit schädlich für den Körper. Achte auf das Datum der Pressung und brauche es innerhalb von 8 Wochen ab Pressung auf. Es darf nicht bitter schmecken. Kühl lagern.

 

3. Rapsöl: nur die kaltgepresste Qualität und nur für die kalte Küche

Zu Rapsöl gibt es verschiedene Meinungen, manche halten es für zu stark verarbeitet, um als gesund zu gelten (z.B. Forschungsgruppe Dr. Feil (interessant sind hier auch die Kommentare)). Auch die Zusammensetzung der Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren ist umstritten.

 

4. Walnussöl: nur für die kalte Küche

Fette, die aus westlicher Sicht ungünstig sind:

Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Distelöl, Kürbiskernöl, Sojaöl, Traubenkernöl

Begründet wird das mit dem hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren, die zu Entzündungen im Körper führen können. Aber nur, wenn sie zu viel gegessen werden – was vor allem bei hohem Fleischgenuss und großem Anteil an Industriekost der Fall ist.

Kürbiskernöl auf dem Salat oder in der Suppe ist köstlich und zwischendurch sicher kein Problem.

 

Zum Abschluss noch ein interessantes Zitat zum Thema "Cholesterin" von Barbara Temelie ("Mit der 5-Elemente-Ernährung zur Wohlfühlfigur"):

"Die überführten Schuldigen sind oxidierende Cholesterine, auf deren Konto das zu gehen scheint, was bisher Eiern, Butter und anderen Grundnahrungsmitteln fälschlicherweise angelastet wurde: Arteriosklerose und Herzinfarkt. Sie entstehen bei der industriellen Produktion etwa von Eipulver, Milchpulver, Sprühfetten (...) und vermehren sich zum Beispiel in einer Kekspackung innerhalb von einem Monat Lagerzeit um das Vierfache."

Jetzt weiß ich auch, warum ich als junge Erwachsene einen erhöhten Cholesterinwert hatte – die Schokolade (Milchpulver) war es! Eier und Fette habe ich ansonsten nämlich kaum gegessen...

Quintessenz:

  • Keine Angst vor Fett, auch nicht wenn du abnehmen willst. Ohne Fett entstehen Mangelerscheinungen und Heißhunger!
  • Mit Butter, Kokosfett und Olivenöl bist du auf der sicheren Seite. Achte auf gute Qualität und erhitze Olivenöl und Butter nur mäßig.
  • Kokosfett und Butterschmalz (ebenfalls empfehlenswert) kannst du auch hoch erhitzen. Hoch erhitztes Fett ist allerdings schwerer bekömmlich und erzeugt nach TCM auf Dauer "Feuchte Hitze", die Ursache für viele Beschwerden wie Arteriosklerose und Tumore. Hebe dir diese Zubereitungsmethode am besten für die Feiertage auf.
  • Höre auf dein Bauchgefühl und deinen Geschmack und lasse dir kein Fett einreden, das dir nicht schmeckt oder deiner Verdauung nicht gut tut.

 

Welche Fette verwendest du am liebsten? Ich freue mich auf deine Erfahrungen und Anregungen in den Kommentaren! Da das Thema wissenschaftlich gesehen ziemlich umstritten ist, bin ich auch für Links mit weiterführenden Infos oder anderen Meinungen dankbar.

Kommentare

Hallo Katharina und alle TCM`ler
Was habt ihr nur gegen Leinöl? Von Zeit zu Zeit lasse ich es mir direkt aus dem Spreewald schicken. Dazu Pellkartoffeln, etwas Salz und rohe klein gehackte Zwiebeln.
Einfach genial! Das Öl hält sich 6 Wochen nach dem Öffnen der Flasche. Ranzig riecht es wie Fensterkitt. Dann kannst du damit Holz vorstreichen - das heißt dann "Firnis".
Annette

Liebe Annette,
danke für deinen Kommentar!
Mir schmeckt Leinöl einfach nicht, aber es ist auf jeden Fall ein empfehlenswertes Fett, wenn man es nicht ranzig werden lässt und wenn man es gut verdauen kann.
Schön, dass du es so gerne magst, und dein Rezept mit den Kartoffeln klingt sehr appetitlich!
Liebe Grüße,
Katharina

Danke für den interessanten Beitrag, ich habe gerade täglich 1 EL Hanföl im Frühstück mit 1/2 TL Hanfprotein und Hanfsamen, habe gelesen, wie wertvoll die Hanfpflanze ist,
viele Grüße Margarete

Liebe Margarete,
danke für deinen Kommentar und das Teilen deines Hanf-Tipps!
Liebe Grüße,
Katharina

Danke liebe Katharina für den informativen Bericht. Wonach schmeckt Leinöl eigentlich??? Überlege es mir zu kaufen aber bin jetzt verunsichert.

Wollte fragen was mit Ghee ist? Meine TCM Ärzrin hat das auf meinen Ernährungsplan gesetzt. Leider kommt er in dèinem Artikel nicht vor.
Lg Sabri a

Liebe Sabrina,
danke für deinen Kommentar!
Leinöl schmeckt sehr eigen, etwas bitter vielleicht, schwer zu beschreiben.
Ghee kannst du ruhig verwenden, es ist von der Wirkung her ähnlich wie Butter.
Liebe Grüße,
Katharina

Liebe Katharina,

ich liebe einen Schluck Sahne am Essen und verwende in der Küche sehr gern mein selbstgemachtes Ghee. Davon habe ich immer ein großes Glas im Schrank zu stehen.

Ich habe Sahne allerdings viele Jahre neben allen anderen Milchprodukten nicht mehr benutzt und erst vor einigen Monaten dank eines zufällig gegessenen Kartoffel-Möhren-Rahmsüppchen, dessen Genuss mir eine innige Freude bereitete, neu entdeckt. Seitdem ist Sahne wieder in unseren Kühlschrank eingezogen.

Allerdings frage ich mich immer mal, ob sie unter all die schwierigen Aspekte von Milchprodukten/Milch fällt. Grundsätzlich ist sie gut für mich, ich merke wie sich meine Leber/Galle entspannt und wie ich mich mit meinem wenigen Gewicht (1,70m 53 kg, aber zum Glück sehr weiblich verteilt ;) genährt fühle, bis hin zu Tränen in den Augen weil mich mein Essen so erfüllt. Jedoch neige ich zu kleinen gelben Pickelchen auf dem Dekoltee im Verlaufe des Zyklus und immer mal wieder zu PMS.

Was sagt denn die TCM dazu?

Ich freue mich auf deine Antwort und danke dir sehr für die viele Zeit, die du uns als deinen LeserInnen schenkst!

Kati v.W.

Liebe Kati,
danke für deinen Kommentar!
Sahne ist nach TCM durchaus empfehlenswert, so wie alle Fette eher in kleinen Mengen, damit nicht zu viel Feuchtigkeit entsteht. Sie nährt besonders das Yin und ist für dich als zarte Person sicher sehr gut. Ausnahme: Wenn man sie individuell nicht verträgt, aber das scheint ja bei dir nicht der Fall zu sein. Wenn sie dich so glücklich macht, würde ich sie auf jeden Fall weiteressen!
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Sahne zu den Pickelchen und dem PMS beiträgt, dazu müsstest du wirklich viel davon essen.
Liebe Grüße,
Katharina

Hallo Katharina,

schön das Du so auf Kokosöl eingehst. Ich finde es wird in Deutschland immer noch viel zu wenig benutzt. Aber wie bei allem macht die Dosierung den Effekt. Zu viel von dem Öl schadet dem Körper auch.

Zu Kokosöl oder Kokosfett. Es ist nicht nur die Konsistenz. Kokosfett wie z.b. Palmin ist meist behandelt (desodoriert), das heißt ohne Geruch und Geschmack und die Inhaltsstoffe sind auch geschädigt. Mehr Infos darüber habe ich auch hier: https://www.kokosoel.com/wissen/kokosoel-lexikon/kokosfett/. Da ist der Unterschied ziemlich gut erklärt. Grüße Falli

Liebe Falli,
danke für deinen Kommentar und die Ergänzung!
Liebe Grüße,
Katharina

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