Wie verträgst du das Wetter? Tipps für die Selbstdiagnose
Geschrieben von Katharina Ziegelbauer am 16. Oktober 2018 - 37 Kommentare
Wie verträgst du die Sommerhitze und wie geht es dir an kalten Tagen?
Deine Vorliebe bzw. Ablehnung von bestimmtem Wetter sagt einiges über dein inneres Gleichgewicht von Yin und Yang aus.
Tipps für die Selbstdiagnose nach TCM
Stelle dir folgende Fragen:
- Bei welchem Wetter werden meine Symptome oder Beschwerden schlechter?
- Welches Wetter mag ich überhaupt nicht?
- Wann habe ich mehr Kopfweh, Hautprobleme, Gelenkschmerzen etc. - im Winter, Sommer, bei Wind oder bei feuchtem Wetter?
Wenn du etwa sehr kälteempfindlich bist und den Winter hasst, zeigt das, dass du auch innen Kälte hast. Und wenn deine Gelenke besonders im Sommer schmerzen und du im Winter deine Ruhe hast, zeigt das wahrscheinlich innere Hitze.
Merksatz:
"Das äußere Klima verstärkt den zugehörigen inneren Faktor."
Mehr zur Selbstdiagnose findest du übrigens in meinem eBook "TCM Praxis. Einfache Anwendungen in der Ernährung" (mit Blick ins Buch).
Beispiele:
- Du hältst die Sommerhitze nicht aus und bekommst Kopfschmerzen und Beklemmungen bei über 25 Grad? Das zeigt, dass du in dir zu viel Hitze hast.
Therapie: Kühle dich mit mehr Gemüse (auch mal roh), weniger Fleisch, lasse die scharfen Gewürze weg, trinke weniger Kaffee. - Du bekommst Gelenkschmerzen, wenn es draußen sehr feucht ist? Das zeigt, dass du in dir zu viel Feuchtigkeit hast.
Therapie: Feuchtigkeit ausleiten z.B. mit mehr Reis, gekochtem Wurzelgemüse, Hülsenfrüchten und Weglassen von Kuhmilch, Weißmehl, Zucker. - Du bekommst nach dem Saunagang oder Dampfbad immer wieder einen Pilz oder Durchfall? Auch hier gilt: Die äußere Feuchtigkeit verstärkt die innere.
- Du bist im Winter prinzipiell müde und kommst nur schwer in die Gänge, wenn es kalt ist? Im Sommer hingegen hast du viel Energie und bist gut drauf? Das zeigt, dass du in dir Kälte hast, die durch die äußere Kälte verstärkt wird und dein "Lebensfeuer" (Yang) dämpft.
Therapie: Wärme dich durch mehr gekochte Mahlzeiten, weniger Rohkost und weniger Jogurt, lass die kalten Getränke weg. Und schütze dich auch durch gute Kleidung vor der äußeren Kälte. - Du bekommst von zu trockener Luft schnell Halsweh und deine Haut trocknet aus? Das zeigt, dass du auch in dir Trockenheit hast, in der TCM heißt das Säftemangel.
Therapie: Baue deine guten Körpersäfte auf mit saftigem Essen, wie Gemüsesuppen, Kompotte, Eintöpfe mit viel Gemüse, saucigem Essen. - Du bekommst bei windigem Wetter Kopfweh und fühlst dich "durch den Wind"? Das zeigt, dass du auch im Inneren Wind hast, das betrifft normalerweise die Leber. Therapie: Achte auf dein Leber-Blut und dein Yin. Stärke sie mit saftigen Mahlzeiten mit blut- und yinstärkenden Zutaten (z.B. roten Rüben (roter Bete), schwarzem Sesam, Linsen, Kichererbsen, grünem Gemüse, Petersilie) und verzichte auf zu viel Kaffee und scharfe Gewürze.
Exkurs: Was bedeutet "Wind" in der TCM?
Da ich im Blog den Wind noch nie erklärt habe, hier ein paar Worte dazu.
Ich möchte zuerst sagen, dass das Konzept vom Wind für mich am schwersten von allen 5 klimatischen Faktoren zu verstehen ist (die anderen 4 sind Hitze, Kälte, Feuchtigkeit, Trockenheit). Ich habe auch den Eindruck, dass das in den verschiedenen Büchern nicht einheitlich erklärt wird. Deshalb hier mein Verständnis vom Wind.
Unterschieden werden "äußerer" und "innerer" Wind.
Der äußere Wind meint Wind, der draußen weht, ebenso Klimaanlagen und Zugluft. Er ist in der TCM die "Mutter aller Krankheiten", da er alle anderen Pathogene (Hitze, Kälte,...) in den Körper bringen kann und diese auch verstärken kann. Deshalb soll man sich immer vor äußerem Wind gut schützen, besonders im Frühling (die Zeit der Leber und des Windes) und besonders dann, wenn man inneren Wind hat.
Typische Symptome bei innerem Wind:
- Neigung zu Muskelzuckungen und -zittern
- wandernde Schmerzen
- wandernder Juckreiz
- Krampfneigungen
- Migräneattacken
Die "Windpunkte" sind im Nacken, die sollte man mit einem Schal schützen, damit kein Wind eindringen kann. Der Wind gehört zu den Yang-Pathogenen, das heißt er wirkt trocknend und verstärkt auch Hitze bzw. kann sie auslösen (so wie trockenes Brennholz besser brennt als feuchtes). Der Wind schadet also besonders dem Yin und dem Blut (nach Weidinger, "Die chinesische Hausapotheke").
Nach Weidinger gilt auch Stress als Wind, außerdem Allergene, die durch die Luft fliegen, wie Pollen.
Quintessenz:
Wenn du darauf achtest, was dein Körper dir sagen will, dann machst du damit einen Riesenschritt in Richtung Gesundheit, mehr Wohlbefinden und Lebensfreude. Natürlich können diese Tipps eine genaue TCM-Diagnose nicht ersetzen, aber sie können dir auf jeden Fall weiterhelfen, dich selbst besser kennenzulernen und mehr auf dich zu achten!
Schreibe gerne in die Kommentare, wenn du noch Fragen zu diesem Artikel hast!




Kommentare
Hallo zusammen,
bei Beschwerden mit feuchtwarmen Wetter wäre dann auch kühlend und befeuchtendes Essen angesagt?
Klingt erstmal komisch, denn die Feuchtigkeit ist es ja, die mir Probleme macht... (Müdigkeit, Kreislauf...)
Liebe Grüße und danke für die vielen tollen Beiträge von Katharina!
Connie
Liebe Connie,
viele Dank für deine Frage. Die TCM unterscheidet 2 Arten von Feuchtigkeit, einerseits brauchen wir die guten Körpersäfte, aber bei unbekömmlicher, zu kalter Ernährung entsteht pathogene Feuchtigkeit, oder sogar Schleim. Diese bereitet uns die Probleme. Das bedeutet, dass es wichtig ist, auch bei warmen Wetter gut auf die Verdauung zu achten und warme Mahlzeiten zu essen. Was wir weglassen können, sind erhitzende, wärmende Lebensmittel wie viel Fleisch und Gewürze. Besser sanft mit Kräutern würzen. Eine leichte Gemüsesuppe oder ein warmes Gemüsegericht wärmt sanft den Magen, aber erhitzt uns nicht. Vorsicht bei zu viel Rohkost, Tomaten, Gurken, vor allem wenn man zu Durchfall neigt. Liebe Grüße Elfi (Assistentin von Katharina)
Wie ist es wenn beides nicht geht? Mir ist so wohl zu schnell warm als auch zu kalt. Unf in der Sauna wird mir zu heiss weil ich nicht schwitze
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