Ist dir kalt? So stärkst du dein Yang und sorgst für innere Wärme

Foto von Füßen in warmen Socken vor einem Kaminfeuer

Wie geht es dir mit der Aussicht auf einen kalten Winter? Fürchtest du dich schon vor der Kälte?

Bei mir war das lange Zeit wirklich so. Ich habe jedes Jahr dem Winter mit Bangen entgegengesehen und gewusst, dass mir die meiste Zeit kalt sein wird. Und deshalb bin ich viel zuhause in der gut geheizten Wohnung geblieben. Kennst du das?

Wenn du leicht frierst, häufig kalte Füße hast und dich immer sehr warm anziehst, dann ist dieser Artikel für dich. Ich zeige dir, wie du mit einfachen Ernährungstipps aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) dein inneres Feuer anfachst und dich von innen wärmst.

Das innere Feuer heißt in der TCM Yang.

Und innere Kälte zeigt einen Mangel an diesem Yang, also einen Yang-Mangel.

Der wichtigste Tipp für dich bei Yang-Mangel lautet:

Iss möglichst viele warme Mahlzeiten, also gekochte Mahlzeiten. Also ein gekochtes Frühstück, ein gekochtes Mittagessen, ein gekochtes Abendessen. 

So wärmst du dich nachhaltig und ohne Nebenwirkungen.

Was meine ich mit Nebenwirkungen?

Du kennst vielleicht schon den Tipp, bei Kälte wärmende Tees wie Ingwertee zu trinken oder scharfe Gewürze wie Chili und Knoblauch zu verwenden.

Und es stimmt auch, diese Gewürze vertreiben innere Kälte und wärmen dich! 

ABER: Sie können im Übermaß verwendet auch innere Hitze erzeugen bzw. schon bestehende innere Hitze verstärken.

Das meine ich mit Nebenwirkungen.

Zu viel Chili, Zimt und Ingwertee können Magenbeschwerden wie Sodbrennen sowie rote Hautausschläge oder Nachtschweiß auslösen oder verstärken. Das sind alles Symptome einer inneren Hitze. 

Gemeinerweise können wir nämlich ständig frieren (= innere Kälte) und gleichzeitig einen zu heißen Magen oder Bluthitze haben. Und dann sind die scharfen Gewürze oft zu hitzig für uns.

Was bedeutet "im Übermaß"? Das kann man leider nicht allgemein beantworten.

Achte auf jeden Fall gut auf deine Körpersignale, wenn du scharf isst oder Gewürztee trinkst. Fängst du an zu schwitzen? Brennt dein Magen? Bekommst du rote Flecken im Gesicht oder juckt es dich irgendwo? Das können alles Anzeichen sein, dass die thermische Wirkung zu erhitzend für dich ist. 

Im Zweifel würde ich dir empfehlen, dich an die wärmenden Gewürze wie Koriander, Kardamom, Kreuzkümmel, Kümmel, getrocknete Kräuter zu halten und die erhitzenden Gewürze wie Zimt, Knoblauch, Pfeffer, Chili eher zu meiden.

Frischer Ingwer mit Gemüse oder Hülsenfrüchten mitgekocht wärmt sanfter als getrockneter Ingwer. Und frischer Ingwer, den du zu einem Tee kochst, ist viel wärmender als wenn du ihn nur mit heißem Wasser übergießt und ein bisschen stehen lässt.

Aber jetzt die wichtigsten Tipps zur Stärkung deines Yang:

  • Iss wenig Rohkost, vor allem in der kühlen Jahreszeit. Aber auch im Sommer tut es dir als Kältetyp gut, nicht zu viel Rohkost zu essen und weiterhin auf gekochte Mahlzeiten zu setzen.
  • Meide besonders die stark abkühlenden rohen Tomaten und Gurke sowie Südfrüchte wie Banane und Orange. Trinke keinen Orangensaft, der kühlt besonders stark. 
  • Verzichte auf Jogurt, das extrem abkühlend wirkt. (Das gilt auch für Schaf-, Ziegen- und Soja-Jogurt).
  • Meide Essen, das direkt aus dem Kühlschrank kommt.
  • Meide kalte Getränke. Trinke sie zumindest bei Zimmertemperatur, besser noch warm.
  • Iss etwa 3x die Woche kleine Mengen gutes Fleisch (Bio, bekömmlich zubereitet), das stärkt besonders das Yang. Wenn du vegetarisch lebst, nimm Eier, Fisch oder Hülsenfrüchte stattdessen.
  • Mache dir einmal in der Woche eine Kraftsuppe mit oder ohne Fleisch. Koche diese Suppe mindestens 2 Stunden, gerne auch länger. Achtung: Kraftsuppen mit Fleisch können zu erhitzend sein (siehe oben den Warnhinweis bei den Gewürzen). 
  • Verwende wärmende und erhitzende Gewürze, wie Ingwer (auch als Tee), Pfeffer, Knoblauch, Chili, Zimt, in Maßen, um dein Feuer anzuheizen. Achtung: Wie oben beschrieben, können sie bei innerer Hitze, aber auch bei Blut- und Yin-Mangel zu erhitzend für dich sein.
  • Bewege dich regelmäßig, um dein Yang anzuregen. Die Bewegung soll dich nicht auspowern, sondern dir vor allem Spaß machen. Beispiele: jeden Tag 10 Minuten schnell gehen, Treppen steigen statt Aufzug fahren.

Einige Rezeptideen für dein Yang:

Karotten-Ingwersuppe, Lauchrisotto, Lauchcremesuppe, Haferflockenporridge mit Walnüssen, Linseneintopf mit Ingwer

Ich mag übrigens auch heute noch den Sommer lieber als den Winter. Und mir ist immer noch leichter kalt als anderen Menschen. Aber seit ich nach TCM esse (seit ca. 12 Jahren), vertrage ich die Winterkälte viel besser als früher. Ich muss mich nicht mehr so extrem warm anziehen und gehe auch gerne hinaus, wenn es kalt ist. Was für eine Erleichterung!

Bitte sei dir bewusst, dass es länger dauert, bis du dein Yang wirklich wieder gestärkt hast. Besonders wenn du früher viel Rohkost, Brotmahlzeiten, Smoothies und Jogurt zu dir genommen hast. Rechne bitte mit einem Jahr oder länger, bis du wirklich merkst, dass dir nachhaltig wärmer geworden ist.

Ich bekomme immer wieder Nachrichten mit der Frage, wann die TCM-Ernährung jetzt endlich wirkt. Und dann stellt sich heraus, dass die Menschen erst vor 2 Monaten angefangen haben, ein warmes Frühstück zu essen. Ich weiß, dass das nicht leicht ist, aber Geduld ist hier wirklich wichtig.

Noch ein Spezialtipp bei kalten Füßen:

Mache dir am Abend ein Fußbad mit Ingwertee. Koche ein kleines Stück Ingwerwurzel 10 Minuten in 1/2 Liter Wasser aus und fülle dann dein Fußbad mit kühlerem Wasser auf, damit es eine angenehme Temperatur für dich hat. An der Fußsohle liegt der Meridianpunkt Niere 1 und die Nieren sind die Wurzel des Yangs im Körper. 

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Kommentare

Hallo Katharina!
Ich wollte dich fragen, was du von Intervallfasten hältst. Überall wird es derzeit als besonders gesund beworben, das Frühstück ausfallen zu lassen, um 16 Stunden Pause zwischen dem Abendessen und der nächsten Mahlzeit einhalten zu können. Es heißt nach einer Studie aus den USA sogar, dass Frühstücken richtiggehend schädlich sein soll.
Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Ich muss in der Arbeit absolut geistig leistungsfähig sein, bin eher schlank von der Statur her und habe ohne mein warmes Frühstück am Morgen keine Energie. Bilde ich mir das nur ein? Was denkst du?
Danke und liebe Grüße

Liebe Katharina!
Ich kann mich an deinen Blog Entries gar nicht sattlesen. Jahrelang hab ich mich vor allem von Rohkost zum Frühstück und als Snacks ernährt und im Winter brav Orangensaft getrunken. Das gehört jetzt der Vergangenheit an! Vielen lieben Dank fürs Teilen deines Wissens! Ich finde, man sollte das in der Schule schon lernen! ;-)

Liebe Kristina,
danke für deinen Kommentar! Ich freue mich, dass dir der Blog gefällt und weiterhilft. :)
Liebe Grüße,
Katharina

Liebe Katharina,
vielen Dank für die vielen Hilfestellungen. Als jahrzehntelange NICHT-Frühstückerin taste ich mich langsam ran. Habe mit gekochten Haferflocken angefangen. Da ich zurzeit auch noch unter Sodbrennen LEIDE will ich alles tun, damit es meinem Magen besser geht. Und für die kalten Füße habe ich mir angewöhnt Schafwollsocken anzuziehen, direkt auf die Haut. Geht gut. Liebe Grüße -sy-

Liebe Sylvia,
danke für deinen Kommentar! Das klingt ganz danach, als ob du dich am Beginn einer interessanten Reise zu mehr Wohlfühlen befinden würdest, schön!
Liebe Grüße,
Katharina

Hallo Katharina, du hast geschrieben, dass das Frühstück besonders wichtig ist... Was hälst du dann von intermittierendem Fasten? Die Leber soll sich in den 16h des Fastens gut erholen können.... Das spricht dann gegen die regelmäßige Nahrungsaufnahme der TCM... Vielen Dank, liebe Grüße Barbara

Liebe Katharina
Vielen Dank für diesen spannenden Artikel!
Mich würde interessieren, ob Banane gebraten, gekocht oder gebacken (z.B. im Pancake-Teig oder als Bananenbrot) auch kühlend wirkt?
Das Ingwer-Fussbad werde ich demnächst gerne mal ausprobieren. Welche Zeitspanne empfiehlst du dafür?
Danke und liebe Grüsse aus der Schweiz
Rahel

Liebe Rahel,
danke für deinen Kommentar!
Banane wird schon wärmer, wenn du sie brätst oder backst. Dennoch bleibt ihre Wirkung kühlend, nur halt weniger stark. Ich verwende sie etwa in diesem Rezept: https://www.ernaehrungsberatung-wien.at/blog/suesser-snack-fuers-buero-o...
Meinst du mit der Zeitspanne, wie lange du das Fußbad machen sollst? Ich würde sagen, etwa 10-15 Minuten, solange es dir angenehm ist. Da kenne ich keine genauen Regeln dafür. Und an so vielen Tagen, wie es dir ebenfalls angenehm ist.
Liebe Grüße,
Katharina

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