Bin ich eine schlechte Mutter, weil meine Kinder nicht täglich Eis bekommen?

Ein Kind sitzt am Strand und isst Eis, dahinter das Meer.

Letzte Woche habe ich folgenden Post auf Facebook veröffentlicht, der auf ungewöhnlich großes Interesse gestoßen ist (62 Kommentare bis heute und über 14.000 erreichte Personen).

Darin habe ich geschrieben, dass ich es schwierig finde, meinen Kindern weiterhin nicht öfter als einmal die Woche ein Eis zu geben, wenn gerade rundherum viele Kinder fast täglich eines essen.

Einige LeserInnen gaben mir Recht und schrieben, dass sie auch versuchen, ihren Kindern wenig Eis zu geben.

Andere hingegen fanden mich zu streng und meinten, ich solle den Kindern nicht den Spaß verderben. Eis essen im Sommer gehört nun einmal zu einer guten Kindheit dazu, und zwar öfter als einmal die Woche.

Und beim Lesen der Kommentare habe ich eine sehr interessante Reaktion bei mir bemerkt:

Ich bekam tatsächlich ein schlechtes Gewissen und fragte mich, ob ich meinen Kindern die Kindheit verderbe!

Kennst du dieses schlechte Gewissen auch?

Ich denke, es ist ziemlich weit unter uns Eltern verbreitet, deshalb schreibe ich diesen Artikel dazu.

In meinem Onlinekurs "Mama-Relax-Paket. Gut versorgt von der Schwangerschaft bis zum Schulkind" geht es mir genau darum, dass wir Mütter (ja, es sind mehr die Mütter als die Väter) uns wieder mehr entspannen, weniger an uns zweifeln und uns weniger Sorgen machen, dass wir beim Essen mit den Kindern etwas falsch machen.

Mache ich etwas falsch, weil ich meinen Kindern den Eisgenuss einschränke?

Das schlechte Gewissen merkte ich daran, dass ich anfing, mich in den Antworten auf die Kommentare zu rechtfertigen. Vor allem der Vorwurf, meinen Kindern das Eis zu verbieten, nagte an mir. Ich verbiete doch nichts, ich schränke nur ein!

Dann ging ich meinem schlechten Gewissen und dem Zwang, mich zu rechtfertigen, auf den Grund und fand Folgendes heraus:

Ja, ich verbiete meinen Kindern wirklich so manches. Nicht unbedingt Eis, denn das bekommen sie ein bis zweimal die Woche und im Urlaub auch öfter. Aber zum Beispiel verbiete ich ihnen Cola zu trinken, da ich es für sehr schädlich halte.

Und ist das so schlimm, den Kindern bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke zu verbieten?

Ich denke, die Antwort hat mehrere Aspekte.

Deine persönliche Geschichte mit Eis, Süßigkeiten und Co.

Wenn du als Kind immer auf Eis verzichten musstest und darunter gelitten hast, willst du es für deine Kinder wahrscheinlich anders machen. Du hast vielleicht bemerkt, dass durch das Verbot erst ein richtiger Heißhunger entstanden ist und du damals oder heute süchtig auf Süßes bist. 

Oder – was in den Facebook-Kommentaren auch vorkam – dein Gusto auf Eis und Süßes hat sich trotz ständigem Vorhandensein von Süßigkeiten von selbst geregelt, das heißt, du konntest und kannst deinen Konsum gut kontrollieren.

Dazu kommt der Aspekt, dass wir gute Eltern sein wollen. Besonders, wenn wir selber sehr streng erzogen wurden, fällt es uns oft schwer, den Kindern etwas zu versagen.

Das Problem bei der Geschichte: Wir übertragen unsere eigene Geschichte auf unsere Kinder.

Das, was wir selbst erlebt haben, stimmt auch für sie. Wir haben es schließlich selbst erlebt! 

Aber unsere Kinder sind nicht wir. Sie wachsen ganz anders auf als wir und sind ganz eigene Persönlichkeiten. Und sie haben möglicherweise auch ganz andere gesundheitliche Herausforderungen und körperliche Voraussetzungen als ihre Eltern.

Meine Geschichte ist übrigens, dass ich unbegrenzt Zugang zu Süßem hatte und dann viele Jahre schokoladesüchtig war. Es hat sich bei mir definitiv nicht von selbst geregelt.

Ich hatte außerdem sehr oft Mittelohrentzündungen und bekam mit 12 Neurodermitis, die aus meinem heutigen TCM-Wissen heraus durch Schokolade und Co. mitverursacht wird.

Meine Erfahrungen übertrage ich heute auf meine Kinder, sie sollen gesund bleiben und keine Sucht nach Süßem entwickeln.

Und hier kommen wir zu dem Körnchen Wahrheit in meinem schlechten Gewissen nach dem Facebook-Post.

Ja, meine Kinder sind nicht ich. Sie sind eigene Persönlichkeiten und haben eine andere Konstitution als ich. Sie wachsen außerdem von Beginn an mit ganz anderer Ernährung auf als ich (gekochtes Frühstück (sie ) versus Kakao und Kuchen (ich)), bekommen fast keine Kuhmilch (ich habe davon sehr viel getrunken) und so weiter.

Ich werde also versuchen, sie noch mehr als eigenständige Menschen zu sehen und darauf vertrauen, dass sie sich gut entwickeln, auch wenn sie öfter Eis essen als einmal die Woche.

Hast du auch eine eigene Geschichte mit Eis und Süßigkeiten, die du vielleicht auf deine Kinder überträgst?

Selbstmitgefühl ist dabei für mich ganz wichtig. Wir sind keine schlechten Menschen, weil wir unsere Erfahrungen auf die Kinder übertragen und dabei manchmal übertreiben. Es ist einfach menschlich!

Zucker ist schädlich

Das ist der zweite Aspekt.

Ich kann dieses Wissen nicht einfach beiseitewischen. Zucker schwächt im Übermaß die Knochen, die Zähne, nimmt dem Körper Nährstoffe weg, stört die Darmflora und schadet nach TCM den Nieren. (Zucker, ein Energieräuber! Wie Zucker nach TCM wirkt und welche süßen Alternativen empfehlenswert sind)

Abgesehen von den Farbstoffen und anderen Zusatzstoffen, die in einem konventionellen Eis drin sind.

Als Mutter habe ich die Verantwortung, dass ich für ein gesundes Aufwachsen meiner Kinder sorge, so gut ich kann. So verstehe ich meine Elternrolle. 

Erst gestern hat mich meine Tochter Marlene (5) wieder gefragt, ob sie ein Eis haben darf. Ich verneinte und fragte sie, ob ich es ihr nochmal erklären soll, warum ich das nicht will. Sie sagte ja und war ganz interessiert daran, wie der Zucker im Körper wirkt. Und dass es einfach zu viel wird, wenn sie im Kindergarten schon einen Pudding oder Kuchen gegessen hat und danach noch ein Eis bekommt.

Es hilft also auch, wenn man mit den Kindern darüber spricht, das ist zumindest meine Erfahrung.

Verbote sind ebenfalls schädlich

Meine Auffassung von gesunder Ernährung (ob nach TCM oder anders) ist, dass es keine Verbote geben soll.

Weder von Kohlenhydraten noch von Zucker noch von Fleisch oder Wurst.

Wenn wir uns etwas verbieten, lenken wir erst recht unsere Aufmerksamkeit darauf und das Verbotene wird zu etwas Besonderem.

Deshalb dürfen meine Kinder auch alles essen.

Es ist allerdings eine Gratwanderung, da ja auch eine Einschränkung von Eis dazu führt, dass es etwas Besonderes ist.

Was ich daraus lerne: Perfekt gibt es nicht! Und muss auch nicht sein. Wenn wir uns bemühen, reicht das vollkommen aus. Ja, es ist sogar toll!

Meine persönliche Quintessenz:

Verbote dürfen also doch ab und zu sein. Und ich darf mich weiterentwickeln und meine Meinung auch mal ändern. Und ja – ich darf auch mal unsicher sein und an meinen Erziehungsmethoden zweifeln, auch wenn ich diplomierte Ernährungsberaterin nach TCM bin und mich auf Kinderernährung spezialisiert habe. :) Und eine gute Mutter bin ich auch.

Zum Abschluss noch ein paar Tipps zum Umgang mit Eis nach TCM

  • nicht täglich und keine Riesenmengen
  • etwas Warmes dazu trinken (das mildert die stark kühlende Wirkung auf das Verdauungsfeuer ab)
  • besser selbstgemacht als gekauft (um sich die Zusatzstoffe zu sparen und weniger Zucker drin zu haben)
  • auch selbst  gemachtes  Eis nicht täglich wegen der stark kühlenden und befeuchtenden Wirkung
  • Kuhmilcheis eher vermeiden und Fruchteis vorziehen (dann fällt zumindest die befeuchtende Wirkung der Kuhmilch weg)

Wie gehst du mit Eis und Süßigkeiten bei deinen Kindern um? Ich freue mich auf einen Erfahrungsaustausch in den Kommentaren!

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Das Wichtigste, was du deinem Kind über gesunde Ernährung mitgeben kannst

Kommentare

Ich finde es total super wie du es machst!!
Ich versuche es auch aber ab und an bin ich einfach nicht konsequent genug,leider.
Mich schauen auch andere Mütter oft an und denken sich sicher ihren Teil...aber das ist ihre Sache ;-)
Ich will es einfach für meine Kinder nicht und ich bin ja schon froh das meine ,wenn sie gefragt werden was sie trinken möchten,von selber sagen Waser bitte :-) und nicht Fanta,Cola usw

Ja bei Oma und Opa ist das auch so eine Sachen.
Auf der einen Seite ärgert es mich total aber auf der Anderen denk ich mir zu 70 % passt es zu Hause und die 30% wo sie nicht zu HAuse oder bei mir sind ist ok.Das gleicht sich ,hoff ich ;-) , gut aus. Oma u Opa sind ja doch was Anderes und das passt dann auch so. Ich weiß ja das sie nicht ;;Vollgestopft;; weren.

Ja man tut was man kann,es muss für einen Selber passen....was sich Andere denken muss einem eh egal werden/sein!
Jeder hat seine eigene Wahrheit :-)....bei mir gibts zB Abends kein Tierisches Eiweiß......ja erklär das mal wem;-P .....da schauens immer alle blöd.....aber ich wills eben nicht,sicher gibt es Ausnahmen...aber die sollen eben nicht zu oft sein.
Ich möchte gern das die Leber in der Nacht ihre Arbeit gut machen kann und das ohne T. EW........ja :-)

Lg Katharina

Liebe Katharina,
danke für deinen Kommentar und dein nettes Feedback!
Ja, du hast Recht - es muss für einen selber passen, und was die anderen denken, sollte keine Rolle spielen. :)
Liebe Grüße,
Katharina

Liebe Katharina,
Das Lesen deines Artikels hat mir soeben richtig gut getan! Vor einer Stunde habe ich auf Instagram ein Posting gelesen, in dem es darum ging, dass eine Mutter kein Recht dazu hat, ihr Kind beim Essen einzuschränken, sondern das Kind gleichwertig behandeln soll. Da waren einige Kommentare dabei, die mir wirklich das Gefühl gegeben haben, eine Rabenmutter zu sein. Und jetzt bin ich zufällig über deinen Artikel gestolpert. Endlich eine Mama, die ähnliche Ansichten hat! Ich komme mir teilweise vor wie eine Außenseiterin, weil mein 2-jähriger Sohn sehr, sehr wenig zuckerhaltige Sachen bekommt und die anderen Kinder in seinem Alter alles Mögliche naschen (das beginnt bei den meisten schon beim ungesunden Frühstück). Ich selbst habe als Kind dauernd Süßes bekommen (angefangen bei den gezuckerten Cornflakes bis bin zu Kuchen/Torte als Nachmittagssnack, zwischendurch Limonaden und Schokolade. Gewichtsmäßig hatte ich nie Probleme, jedoch hatte ich nach der Geburt meines Sohnes massive Schmerzen beim Stillen, was auf meinen erhöhten Zuckerkonsum zurückzuführen war. Als ich dann einige Monate komplett auf Zucker verzichtet habe (unglaublich, wo überall Zucker drinsteckt), ging es mir allgemein so viel besser! Aber der anfängliche Verzicht ist mir sehr schwer gefallen, so muss sich ein Entzug anfühlen... Und ab dem Zeitpunkt habe ich mir geschworen, bei meinem Kind viel mehr auf die Ernährung zu achten und ihm immer gesunde Alternativen anzubieten.
Ich bin wirklich sehr, sehr froh, diesen Artikel gefunden zu haben, der mich in meiner Denkweise bestätigt.

Liebe Katrin,
vielen Dank für deinen Kommentar!
Toll, dass du so gut auf eure Ernährung achtest. Ja, ich war auch mal zuckersüchtig (und habe das Gefühl, ich könnte jederzeit wieder einen Rückfall haben, wenn ich zu oft Zucker esse).
Liebe Grüße,
Katharina

Nachtrag, weil keine Edition möglich:

Nicht meine Tochter im Haus, sondern die Tochter meines Mannes ist hier gemeint mit dem 3jährigen Quengelkind.

Liebe Katharina, :-)
ich hatte eine wunderbare, wenn auch strenge Kindheit und kann mich nicht entsinnen, dass ich nach Eis gequengelt habe. Bei uns gab es nur 1 Eisdiele im Ort - immerhin 50.000 Einwohner! - und nur selten habe ich 1 Kugel Eis bekommen. Die Auswahl war damals "riesig": Vanille, Schoko, Erdbeer. - Und Quengeln oder Diskutieren gab es damals zu meiner Kinderzeit überhaupt nicht. Es galt ein "ja" oder "nein". Wenn ich nachfragte, sagte meine Mutter: "Weil ich es so gesagt habe". Schluss, aus mit der Diskussion. - Ich verstehe überhaupt nicht, dass heute mit den Kindern "diskutiert" wird, teilweise mit 3jährigen (bestes Beispiel in der Familie der Tochter im Haus). Grauenvoll! - Wozu erziehen wir eigentlich unsere Kinder? Zu Monstern? Kinder dürfen durchaus sagen, was sie gerne hätten. Aber ein Nein muss ein Nein bleiben, und nicht zu einem Quengel-Vielleicht und dann zu einen entnervten Ja mutieren. - Nicht, dass ich es bei meiner Tochter besser gemacht hätte. Aber meine Mutter, die hat es noch richtig gemacht. Was die Mutter sagt, ist Gesetz. Und dazu stehe ich mit meinen 69 Jahren. - Jedes Tierjunge würde ziemlich rasch sterben, wenn es nicht das Muttertier vollkommen akzeptieren würde. Und warum dürfen das unsere Kinder? Dieses Aufmüpfige, dieses Ich-will-aber? Ganz einfach: Weil wir einmal schwach geworden sind. Und Schwäche nutzen unsere lieben Kleinen sofort und auf der Stelle gnadenlos für alle Ewigkeit aus. - Meine Tochter und ich haben einmal zu ihren jugendlichen Geburtstag einen Eistag veranstaltet beim echten Eis-Italiener. Und weil wir uns nicht entscheiden konnten, was wir nehmen wollen, haben wir von jeder der 18 Sorten eine Kugel genommen. Es waren zwei Eisteller voll. Und wir haben die 18 Kugeln mit viel Gekicher im Eissalon verzehrt. Davon schwärmt meine jetzt 33jährige Tochter noch heute, wenn sie davon erzählt. Zucker, Zucker, Zucker in Reinform, schädlich bis zum geht nicht mehr - und trotzdem so viel Spaß an ihrem jugendlichen Geburtstag. :-)

Liebe Gundula,
danke für deinen Kommentar! Der Geburtstag klingt toll. :)
Ja, über Erziehungsfragen könnte man ewig diskutieren, ich denke, dass sich die Bedingungen im Vergleich zu früher einfach stark geändert haben, einiges zum Positiven, einiges zum Negativen. Es gibt auf jeden Fall kein Zurück mehr.
Liebe Grüße,
Katharina

Hallo :-)

Also meine Tochter bekommt auch nicht jeden Tag ein Eis. Ich finde das voll in Ordnung. Eis ist Zucker und zu viel Zucker ist nicht gesund.
Ich mach für zuhause Eis selbst, ganz einfach: Milch und Obst
Das schmeckt ihr auch und ist genauso interessant wie gekauftes.

Man muss bei Zucker echt aufpassen, ich versuche ihn zu vermeiden.

Kleiner Tipp:
Der Film „VOLL VERZUCKERT“ hat uns auch die Augen geöffnet und gezeigt wo sich der Zucker überall versteckt. Ich kann den Film nur jedem empfehlen, der mehr über die Zuckerfallen wissen will!

Liebe Nicole,
danke für deinen Kommentar und den Tipp für den Film!
Liebe Grüße,
Katharina

Liebe Katharina,
danke für deinen Artikel!!
Eine Frage habe ich: Wie reagierst du, wenn deine Kinder bei Freunden sind und dort Eis gegessen wird (und du anwesend bist)?

Liebe Grüße
Stephanie

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