Wie Radieschen und Rettich Lunge, Haut und Magen stärken - ein Porträt

Radieschen (Foto von pixabay)

Hast du gewusst, dass es neben weißem Rettich auch schwarzen Rettich gibt? Er hat eine schwarze Schale, ist innen aber weiß und wirkt genauso wie Radieschen und weißer Rettich (auch Bierrettich, österr. "Bier-Radi" genannt).

Diese drei sind natürlich wahnsinnig gesund, deshalb schreibe ich hier über sie. Du erfährst gleich, bei welchen Beschwerden sie dir helfen können, und wie du sie am besten verwendest.

Ihr scharfer Geschmack kommt von den enthaltenen Senfölen, denen die westliche Ernährungswissenschaft eine antibakterielle Wirkung zuschreibt. Gleichzeitig kann diese Schärfe den Magen reizen. Wenn du Radieschen und Rettich nicht verträgst, also etwa Magenschmerzen bekommst oder aufstoßen musst, dann sind sie nichts für dich. Du kannst versuchen, sie zu kochen, dann werden sie milder und bekömmlicher. Sie schmecken dann auch weniger scharf.

Hier ist ein Rezept mit Rettich aus dem Ofen.

Zuerst ein Tipp zur Aufbewahrung:

Radieschen halten sich länger im Kühlschrank, wenn du die Blätter entfernst und sie in ein feuchtes Tuch wickelst. 

Wirkung von Rettich und Radieschen aus Sicht der TCM:

  • thermische Wirkung: roh: kühlend, gekocht: neutral
  • Geschmack: scharf
  • Organbezug: Lunge, Magen
  • Wirkungen: löst Schleim auf, bewegt und reguliert das Qi, leitet Feuchte Hitze aus, kühlt das Blut, entgiftet, regt die Diurese an (das Harnlassen)
  • Kontraindikation (bitte nicht anwenden): Bei Kälte in Magen und Milz, merkbar an wässrigen Durchfällen oder unverdauten Resten im Stuhl. Laut "Chinesische Diätetik" sollte man Rettich auch nicht essen, wenn man gerade Ginsengwurzel oder andere stark nährende, auffüllende TCM-Kräuter zu sich nimmt. 

Quellen (auch für die unten angeführten Rezepte): Praxisbuch Nahrungsmittel und Chinesische Medizin, Bacopa-Verlag; Chinesische Diätetik, Elsevier-Verlag

Daraus ergeben sich folgende therapeutische Anwendungen:

1. Halsschmerzen, Husten mit dickflüssigem Schleim, Heiserkeit, verschleimte Nebenhöhlen

Rezept 1: Ca. 250 gr kleingeschnittenen Rettich mit 2-3 EL Honig oder Zucker in einer Schüssel mischen und einige Stunden stehen lassen, bis sich ein Sirup absetzt. Diesen dann schluckweise über den Tag verteilt einnehmen. 

Rezept 2: 250 gr Rettich und 30 gr frischen Ingwer zu einem Saft pressen, schluckweise über den Tag verteilt trinken.

2. Verdauungsblockaden, Spannungsgefühl im Bauch, Übelkeit

Nach zu reichlichem oder unbekömmlichem Essen kannst du ein Radieschen essen oder ein Stück Rettich (roh), um die Verdauung anzuregen. Mache das nur, wenn du rohen Rettich gut verträgst.

Im Buch "Chinesische Diätetik" heißt es, dass gekochter Rettich den Magen stärker unterstützt als roher Rettich und außerdem das Qi absenkt und die "Mitte" freimacht (Seite 121). Wenn das Qi nach unten abgesenkt wird, heißt das nichts anderes, als dass die Verdauung unterstützt wird, deren Richtung ja nach unten gehen soll. 

3. Gallensteine, Nierensteine

Gallensteine und Nierensteine gelten in der TCM als "Feuchte Hitze". Und Rettich kann diese ausleiten.

Im "Praxisbuch Nahrungsmittel und Chinesische Medizin" wird empfohlen, mehrere Wochen lang täglich einen Esslöffel grob geriebenen Rettich zu essen. Bitte beachte, dass Nierensteine und Gallensteine natürlich medizinisch abgeklärt werden müssen.

In der "Chinesischen Diätetik" wird frischer Rettichsaft bei Gallensteinen empfohlen, zwei- bis dreimal am Tag 2 EL. 

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4. Hautprobleme mit Rötungen und Entzündungen (Zeichen von Bluthitze)

Durch die blutkühlende Wirkung ist Rettich ein wichtiges Gemüse für die Haut. Iss bei Akne, Neurodermitis und Co. öfter mal ein Radieschen oder gib Rettich zu deinem Ofengemüse dazu. 

5. Wasseransammlungen, Ödeme, Schwellungen, Störungen beim Harnlassen

Die diuretische Wirkung kann helfen, überflüssige Feuchtigkeit auszuleiten und das Harnlassen zu erleichtern. 

Rezept aus "Chinesische Diätetik", S. 123: Rettichstücke in Honig tauchen und in einer Pfanne mit geringer Temperatur langsam braten, bis sie duften und weich sind. Abkühlen lassen und langsam kauen, 3 Portionen über den Tag verteilen. 

Dieses Rezept stammt übrigens aus dem 15. Jahrhundert, da die "Chinesische Diätetik" sich auf die alten Quellen stützt. Ich finde das inspirierend, nehme die Rezepte aber nicht immer wörtlich, sondern wandle sie nach Lust und Laune ab. Dazu möchte ich dich auch ermutigen, wenn du Lust hast!

6. Kopfweh

Iss bei Kopfweh ein rohes Radieschen, das regt den Qi-Fluss an und kann helfen! Kopfschmerzen sind immer ein Zeichen von Leber-Qi-Stagnation und der scharfe Geschmack wirkt bewegend. Da bei Kopfweh häufig Hitze dabei ist, ist die kühlende Wirkung des Rettichs/Radieschens besonders erwünscht (im Unterschied zur erhitzenden Wirkung von scharfen Gewürzen wie Knoblauch oder Chili - die würde ich bei Kopfweh nicht empfehlen). 

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7. Fleisch bekömmlicher machen

Iss als Beilage zu Fleisch ein paar Radieschen oder Rettich - roh oder gekocht. Sie helfen, die schwer verdaubaren Bestandteile von Fleisch besser verwertbar zu machen, und leiten mögliche Toxine aus. 

8. Immunsystem stärken

Ja, auch das können die scharfen Knollen! Sie tonisieren unser Wei-Qi, also unsere Abwehrkraft. 

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Wie stehst du zu Rettich und Radieschen? Ich freue mich, wenn du in den Kommentaren deine Erfahrungen und liebsten Rezepte mit uns teilst!

Kommentare

In meiner Kinderzeit standen Radieschen öfter auf dem Speiseplan, aber seitdem ich mich selbst versorge: wenig bis inzwischen gar nicht mehr. Irgendwie mag ich die scharfe Frische oder frische Schärfe nicht. Auch Meerrettich (Kren) habe ich nie gemocht. Und da ich bei meinem Symptom-Durcheinander sowieso ein Problem hätte, einzuorden, ob Radieschen und Co. nun für mich geeignet sind oder nicht, mache ich es mir einfach und höre auf meinen Appetit, der Nein sagt. Trotzdem danke für den Artikel!

Liebe Rundhild,
danke für deinen Kommentar! Ja, wenn du Radieschen und Co. nicht magst, dann iss sie lieber nicht. Dein Körper sagt dir schon, was gut für dich ist. Und etwas zu essen, was uns gar nicht schmeckt, ist aus meiner Sicht sowieso nicht ratsam. Genuss fördert die Bekömmlichkeit! Du machst also alles richtig. :)
Liebe Grüße,
Katharina

ein Tag ohne Radieschen wäre für mich ein verlorener Tag. Ich esse praktisch fast das ganze Jahr hindurch täglich 1 bis 2 Radieschen, öfters zum Frühstück auf ein Vollkornbrot mit etwas Butter.

Liebe Jutta,
danke für deinen Kommentar, das klingt wunderbar! Ich bekomme gleich Gusto auf Butterbrot mit Radieschen und Salz.
Liebe Grüße,
Katharina

Einen schönen Freitagmorgen liebe Katharina,
ich liebe Radieschen heiß und innig und möchte an machen Tagen gleich im Laden eine
verschnurpseln ;). Aber...... manchmal habe ich den Eindruck nach dem Genuss habe ich Mundgeruch (und das macht mich unsicher). Kann das sein?
Viele Grüße
Steffi

Liebe Steffi,
danke für deinen Kommentar!
Ja, Mundgeruch kann sein, wegen der Senföle. Wenn es dir unangenehm ist, iss vielleicht weniger Radieschen! (Vielleicht sind es einfach zu viele?)
Liebe Grüße,
Katharina

Liebe Katharina,
danke für die Tipps zum Rettich. Ich esse zurzeit gerne ein paar rohe Radieschen geraspelt über mein pikantes Morgengemüse, z. B.Zucchini. Das schmeckt lecker und die Radieschen sind durch das kurze Erwärmen nicht mehr scharf, das bekommt mir besser. Obendrein ist das Gericht schön knackig. Im Winter esse ich ab und zu schwarzen Rettich als Gemüse gekocht mit Reis, etwas Zitronensaft und reichlich Kräutern. Das Rezept habe ich in einem Buch von Barbara Temelie gefunden.

Viele Grüße
Elisabeth

Liebe Elisabeth,
danke für deinen Kommentar!
Das klingt sehr gut, wie du die Radieschen isst, danke für die Idee. Ja, das Rezept von Barbara Temelie ist gut!
Liebe Grüße,
Katharina

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