Stärken der Verdauungskraft

In diesem Kapitel meiner Diplomarbeit zur Neurodermitis geht es um eine Stärkung des Milz-Qi, um die Fähigkeit zur rückstandslosen Umwandlung der Nahrung im Körper zu unterstützen. Die Chinesen sagen, die Milz liebt die Trockenheit, das heißt Nahrung, die zu befeuchtend wirkt, sollte vermieden werden. Außerdem mag sie es warm. (Tipps für die tägliche Umsetzung)

Symptome für ein schwaches Milz-Qi sind neben Verdauungsproblemen[20] unter anderem: Müdigkeit, Heißhunger auf Süßes, breiiger Stuhlgang, Anfälligkeit für Pilzerkrankungen, Ödeme, häufige Erkältungen.

Allgemeine Grundregeln zum Aufbau des Milz-Qi

  • Regelmäßig essen (jeden Tag zur selben Zeit, früh (vor 10 Uhr), mittags, abends (vor 19 Uhr), eventuell noch eine Zwischenmahlzeit)
  • In Ruhe essen und gut kauen
  • Zu essen aufhören, wenn man satt ist (Überessen schwächt die Milz und führt zu Feuchtigkeit)
  • Pausen von mindestens 3 Stunden zwischen den Mahlzeiten einhalten ( erst wieder essen, wenn man Hunger hat; Zeichen, dass die letzte Mahlzeit verdaut ist)
  • Auf die gute Qualität der Nahrungsmittel achten
  • Keine Fertigprodukte, Tiefkühlkost, Mikrowellengerichte
  • Trinken zwischen den Mahlzeiten (zimmerwarme bis heiße Getränke bevorzugen, nicht zu viel trinken)
  • Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein Bürger, Abendessen wie ein Bettler (gekochtes Frühstück als Basis für den Tag)
  • Rohkost nur in Maßen (in Form von kleinem Blattsalat als Beilage oder saisonalem Obst in kleinen Mengen, nicht am Abend)
  • Fleisch in kleinen Mengen als Suppe oder gekocht/gedünstet (nicht täglich, da sehr nährend/befeuchtend)
  • Gewürze und Kräuter verwenden (verbessert die Bekömmlichkeit)
  • Bekömmlich kochen (dünsten, dampfgaren, sanft anbraten, kochen, Backrohr, saftig kochen, Suppen, Eintöpfe, saftige Gemüse wie Champignons, Zucchini)[21]
  • Mit Genuss essen

Den letzten Punkt möchte ich besonders hervorheben, da es absolut kontraproduktiv ist, sich zum Essen von etwas zu zwingen, weil es angeblich so gesund ist. Wenn man etwas nicht genießen kann, tut es einem auch nicht gut. Daher besteht die Kunst darin, für sich selbst die Nahrung zu finden, die bekömmlich ist und einem richtig gut schmeckt. Das braucht normalerweise etwas Zeit.

Gleichzeitig sind diese Regeln nicht dogmatisch zu sehen. Eine im täglichen Leben gepflegte Milz wird einen Ausrutscher ab und zu leicht verzeihen.

In meinem Neurodermitis-Ernährungscoaching (Online-Videokurs mit persönlichem Coachingtermin) erfahren Sie das 5-Schritte-System, wie Sie Ihre Ernährung im Alltag umstellen können - für eine dauerhaft schönere Haut. 

Gemäß der Einteilung der Lebensmittel nach TCM in Geschmäcker (sauer, bitter, süß, scharf, salzig) und Thermiken (kalt, kühlend, neutral, warm, heiß)[22] gilt für die Stärkung der Verdauungskraft Folgendes:  

Zu bevorzugende Geschmäcker und Thermiken: Geschmack: süß, wenig scharf, wenig bitter, wenig salzig Thermik: neutral, warm  

Zu meidende Geschmäcker und Thermiken: Geschmack: sauer Thermik: kalt, kühl, heiß

Wichtige Anmerkung dazu: Für den speziellen Fall der Neurodermitis muss beachtet werden, dass die Thermik kühlend bis neutral bleibt, da Neurodermitis immer mit zu viel Hitze im Körper verbunden ist. Hier gilt es, den Spagat zu finden zwischen dem Aufbau der Milz – wozu Wärme benötigt wird − und dem Kühlen der Hitze. Das wird mit kühlenden Nahrungsmitteln erreicht, die durch so genannte „yangisierende“ Zubereitung wärmer gemacht werden, zum Beispiel lange kochen (2 Stunden) oder im Backofen zubereiten. Die ursprünglich thermisch kalten Tomaten werden etwa durch Einköcheln zu einer Tomatensauce wärmer und so für die Mitte bekömmlicher.

Umsetzung in der Praxis

Getränke:

Heißes Wasser, verdauungsfördernde Tees (Kümmel, Anis, Fenchel, Kardamon), Kompottsäfte

Achtung: bei Hitze mit Fenchel-, Anis- und Kardamontee aufpassen!

  • gegen den Juckreiz (Wind) und die Hitze: Chrysanthemenblütentee (chin.)[23]
  • bei Säfte- bzw. Blutmangel: Rote-Rüben-Saft, Roter Traubensaft, mit heißem Wasser verdünnt
  • für besseren Schlaf (Herz): Blütentees wie Melissentee, Lavendelblütentee, Rosenblütentee, Orangenblütentee; außerdem Weizentee (2 EL Weizen in ½ Liter Wasser 30 Minuten oder länger kochen und trinken)

Gewürze:

In getrockneter Form: Kümmel, Kreuzkümmel, Kardamon, Vanille, Oregano, Basilikum, Thymian, Rosmarin, Kurkuma, Koriander, Muskatnuss, Safran, Majoran, Lorbeerblatt, Liebstöckel, Wacholderbeere, Salbei

  • Als frische Küchenkräuter: Schnittlauch, Dille, Petersilie, Basilikum
  • gegen Bluthitze: Kresse, Kerbel und Sauerklee[24]
  • zur Verdauungsförderung (speziell von Fleisch): frischer Ingwer Achtung bei Hitze!
  • bei Säfte- bzw. Blutmangel: kein Thymian, Salbei, Kardamon

Getreide:

Reis, Gerste, Hirse, Couscous, Quinoa, Amaranth, Haferflocken, Dinkel

  • bei starkem Säfte- bzw. Blutmangel: aufpassen mit Gerste, Hirse und Dinkel (in Maßen empfehlenswert, zu viel kann Trockenheit verstärken)
  • bei starker Hitze: Vorsicht mit Haferflocken

Gemüse:

Karotten, Kürbis, Kartoffel, Mais, Sellerie, Rote Rüben, Kohl, Kraut, Pilze, Fisolen, Karfiol, Brokkoli, Spargel, Paprika, Pastinake, Kohlrabi

  • gegen (Blut-)Hitze: Zucchini, Spinat, Mangold, Melanzani, Tomate, Schwarzwurzel, Rettich, Radieschen, Gurke, Chinakohl, Sprossen Achtung: diese kühlenden Gemüsearten müssen für die Milz bekömmlich zubereitet werden (gekocht oder im Backrohr)!
  • gegen den Juckreiz (Wind): Stangensellerie [25]

Fleisch und Fisch:

Huhn, Rind, Kalb

Einheimische Fische (Forelle, Karpfen u. a.)

Hülsenfrüchte:

Linsen, Adzukibohnen, Erbsen, Kichererbsen Achtung: Hülsenfrüchte sind für viele Menschen schwer verträglich. Nur in kleinen Mengen essen und Verdauung beobachten!26

  • gegen Feuchte Hitze: Mungbohnen
  • gegen Hitze und Trockenheit: Tofu, Sojamilch (sehr kühlend)
  • bei Säfte- bzw. Blutmangel: keine Adzukibohnen

Obst:

Apfel, Birne, saisonales Obst wie Marille, Beeren, Trauben Achtung: als Rohkost nur wenig essen, da für die Milz schwer umzuwandeln, Kompotte sind verträglicher und bauen stärker die Säfte auf!

  • gegen Hitze: Wassermelone, Zuckermelone (sehr kühlend)

Nüsse, Fette, Milchprodukte:

Diese Gruppe von Nahrungsmitteln wirkt stark befeuchtend und ist daher von NeurodermitikerInnen mit Vorsicht zu genießen. Außerdem wirken gerade Nüsse und Milchprodukte oft als Auslöser für einen Schub. Deshalb wird empfohlen, die persönlichen Verträglichkeiten auszutesten, zum Beispiel mit Kinesiologie[27]. Ziegenmilch- bzw. Schafmilchprodukte werden oft besser vertragen als Kuhmilchprodukte.

Von den Fetten wird besonders das Sesamöl (ungeröstet) empfohlen, da es kühlend wirkt. Auch Olivenöl und andere hochwertige Pflanzenöle sowie Butter und Schlagobers in kleinen Mengen sind geeignet.

Es ist insgesamt wichtig, zu unterscheiden, in welcher Phase sich der/die NeurodermitikerIn aktuell befindet. Je chronischer und trockener der Prozess ist (keine nässenden Ausschläge!), desto eher kann versucht werden, durch kleine Mengen befeuchtender und kühlender Nahrungsmittel die Trockenheit zu bessern. Allerdings kann auch bei trockener Haut noch Feuchtigkeit im Körper sein.[28] Um das festzustellen, muss man auf andere Anzeichen achten, wie Verdauung, Müdigkeit nach dem Essen, Ödeme usw. Eine genaue Diagnostik bei der TCM-ÄrztIn oder -ErnährungsberaterIn ist empfehlenswert.

[20] Blähungen, Völlegefühl, Aufstoßen u. a. Die Darmentleerung findet bei einer gesunden Verdauung einmal am Tag (in der Früh) statt, schnell und mit Gebrauch von nur wenig Klopapier. Der Stuhl ist geformt, riecht nur schwach und hinterlässt keine Rückstände in der Klomuschel.

[21] Dieser Punkt nimmt Rücksicht auf den Magen, der zum Funktionskreis Milz als Yang-Partner dazugehört. Der Magen profitiert von regelmäßigem warmem und saftigem Essen. Das hilft ihm, seiner Aufgabe als Quelle der Körpersäfte nachzukommen. Dies ist für eine/n NeurodermitikerIn besonders wichtig, da die Körpersäfte bei ihm/ihr oft im Mangel sind (trockene Haut!).

[22] Näheres dazu zum Beispiel in Focks/Hillenbrand (Hg.) 2006, S. 841ff.  

[23] Man kann auch nach dem Teekochen die Blüten auf die Haut auflegen, was den Juckreiz lindert. Achtung: wirkt auch austrocknend!

[24] Laut Jacoby 2000, S. 128ff.

[25] Auch als Tee: einige Stücke Stangensellerie in Wasser 20 Minuten kochen und trinken/essen (kann man täglich machen).  

[26] Bei Empfindlichkeit vorher einige Stunden in Wasser einlegen und das Einweichwasser wegschütten. Zur Zubereitung verdauungsfördernde Gewürze verwenden (Kümmel, Kreuzkümmel, Koriander…).

[27] Alternativmedizinisches Diagnose- und Therapieverfahren, das mit einem Muskeltest arbeitet.

[28] Diolosa, Kassette Nr. 10, Hautkrankheiten.