Champignons, Shiitake, Steinpilze... Wie wirken Pilze nach TCM?

Foto einer Schüssel mit Pilzen

Champignons zählen zu meinen Lieblingsspeisen, ich habe fast immer welche im Kühlschranke. Damit koche ich Champignonsauce zu Reis, Hirse oder Nudeln, eine Omelette mit Eiern oder ich gebe sie in den Ofen, da werden sie besonders aromatisch.

Doch wie wirken Pilze eigentlich aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)?

Bevor ich auf die einzelnen Sorten und ihre Besonderheiten eingehe, zuerst einmal ein allgemeiner Überblick.

Wirkung von Pilzen aus Sicht der TCM

  • thermische Wirkung: kühlend bis neutral
  • stärken Milz und Magen, teilweise auch Nieren, Leber, Darm
  • leiten Feuchtigkeit aus, lösen Schleim auf
  • tonisieren das Yin
  • empfehlenswert als Begleiter von Fleischspeisen, da sie die ungünstigen Wirkungen von Fleisch abmildern können
  • gut bei schlechten Blutfettwerten und erhöhtem Cholesterin
  • entgiftende Wirkung

Achtung bei schwacher Verdauung, da Pilze schwer verdaulich sind.

Pilze sind übrigens aus Sicht der westlichen Ernährungslehre recht gute Eiweißlieferanten, besonders Austernpilze und Shiitake. Sie enthalten außerdem wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. Sie werden u.a. zur Vorbeugung von Krebs empfohlen, was auch zur Feuchtigkeit und Schleim ausleitenden Wirkung nach TCM passt.

Qualität und Zubereitung

Verwende bitte eine sehr gute und frische Qualität, da Pilze einerseits leicht Schwermetalle anreichern, andererseits das Pilzeiweiß leicht verderblich ist. Gerade bei Pilzen, die du im Supermarkt oder am Markt kaufst, schau immer auf das Ablaufdatum und auf das Aussehen der Pilze. Zuchtpilze haben den Vorteil, dass sie frei von Schadstoffen und Schwermetallen sind.

Bei den Austernpilzen erkennst du die Frische daran, dass sich die Hutränder nach unten beugen und keine gelblichen, vertrockneten Stellen zu erkennen sind. Außerdem sollte kein Schleim sichtbar sein, das gilt für alle Pilze. 

Bei Shiitakepilzen kannst du den Drücktest machen - wenn du mit dem Finger leicht in die Spitze drückst, sollte keine Druckstelle bleiben, sondern der Pilz wieder in seine ursprüngliche Form zurückspringen. Mehr Infos zu Shiitakepilzen bei EatSmarter.

Die Zubereitung ist einfach - die meisten Pilze musst du nicht waschen, sondern nur mit einem Stück Küchenrolle abputzen bzw. die Stiele/Stielenden entfernen, falls sie schon vertrocknet sind bzw. zu stark verschmutzt. Dann in Scheiben schneiden und in der Pfanne in Olivenöl sanft anbraten, ich mag sie am liebsten mit Kräutern der Provence und etwas gemahlenem Koriander.

Getrocknete Pilze sind eine gute Möglichkeit, immer Pilze zuhause zu haben, da sie nicht verderben. Für die Menge gilt, dass ca. 20 g getrocknete Pilze 200 g frischen Pilzen entsprechen. Vor der Zubereitung weicht man die getrockneten Pilze 30 Minuten oder länger ein. Das Einweichwasser kann man weiterverwenden, es gibt Suppen und Saucen ein köstliches Pilzaroma.

Besondere Wirkkungen einzelner Sorten

Quelle: Praxisbuch Nahrungsmittel und Chinesische Medizin, Bacopa-Verlag

Austernpilze

  • helfen bei innerem Wind, z.B. bei Muskelkrämpfen, Taubheitsgefühl in den Fingern, Gelenksschmerzen
  • gut bei rheumatischen Beschwerden

Kräuterseitlinge sind mit den Austernpilzen eng verwandt und haben wahrscheinlich eine ähnliche Wirkung. In den TCM-Quellen habe ich zu den Kräuterseitlingen nichts gefunden.

Champignons

  • stärken das Lungen-Yin, z.B. bei trockenem Husten, Heiserkeit, COPD
  • günstig bei Übergewicht

Judasohr

  • stärkt den Dickdarm, besonders günstig bei trockenem Stuhl
  • stärkt das Lungen-Yin, z.B. bei trockenem Husten
  • stärkt das Magen-Yin, z.B. bei Sodbrennen, Gastritis
  • kühlt das Blut, z.B. bei Neigung zu Nasenbluten, starker Menstruationsblutung

Shiitake

  • besonders empfehlenswert bei Gicht und Arteriosklerose
  • stärkt das Nieren-Yin, z.B. die Knochen, Zähne, Gehirn
  • gut bei Wechseljahrbeschwerden
  • stärkt das Immunsystem (Wei-Qi)

Steinpilz

  • stärkt das Immunsystem (Wei-Qi)
  • stärkt das Nieren-Yin, z.B. Knochen und Sehnen

Zu Pfifferlingen (Eierschwammerln) habe ich keine Angaben zur Wirkung nach TCM gefunden. Wenn du etwas darüber weißt oder mir ein Buch oder eine Internetquelle dazu empfehlen kannst, schreibe sie gerne in die Kommentare, danke!

Pilzkonzentrate als Nahrungsergänzungsmittel, wie Reishi-Extrakt oder Shiitake-Extrakt, sind nicht mit der Wirkung der frischen Pilze zu vergleichen. Es fehlt dabei das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe, die sich gegenseitig beeinflussen. Wenn du so etwas nehmen möchtest, dann achte bitte sehr gut auf die Herkunft und Qualität. Da Nahrungsergänzungsmittel im Trend und ein millionenschwerer Markt sind, gibt es auch Betrug und Täuschung. Aus TCM-Sicht können isolierte Inhaltsstoffe aber sowieso nie ein Ersatz für natürliche, hochwertige Nahrungsmittel sein.

Welche Pilze isst du am liebsten und wie kochst du sie gerne? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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Kommentare

Frische Pilze direkt aus dem Wald, einfach herrlich. Am liebsten mag ich Steinpilze oder Maronenröhrlinge, in dünne, ca. 0,5 cm dicke Scheiben schneiden und ganz kurz beidseitig in Butter nicht zu heiss braten. Nur etwas salzen, fertig. Du schmeckst so richtig den Wald, das Moos etc. beim Geniessen. Mmh, das könnte ich fast immer essen.

Liebe Merline,
danke für deinen Kommentar, das klingt köstlich!
Liebe Grüße,
Katharina

haben eingelegte(ich weiss nicht in was, gewürze seh ich..) pilze von meinem bauern dieselbe wirkung u wie kann ich sie zum kochen verwenden, sind zum rohessen gekauft.
danke!

Liebe Heide,
danke für deinen Kommentar!
Ich denke, die Wirkung wird halt noch beeinflusst von dem, in was die Pilze eingelegt sind (etwa Essig - sauer, wärmend, bewegt Qi...).
Liebe Grüße,
Katharina

Ich hätte nochmal eine andere Frage. Hätten Sie ein gutes Rezept für die Reissuppe (Congee)? Mir ist es bislang nicht gelungen, ein gutes Congee zu machen. Ist auch nach 4 Stunden Kochzeit noch wässrig?! Danke für einen Tipp.

Liebe Susa,
danke für deinen Kommentar!
Das Congee soll auch wässrig sein. Die Konsistenz ändert sich nach der Menge des Wassers - du kannst also auch weniger Wasser nehmen. Das Wichtigste ist die lange Kochzeit (mind. 2 Stunden). Ein Rezept dafür habe ich nicht. Congee ist allerdings nicht bekannt dafür, wirklich gut zu schmecken, es geht mehr um die Heilwirkung. Durch andere Zutaten kommt dann Geschmack dazu.
Liebe Grüße,
Katharina

Hallo Katharina, ich möchte fragen, ob getrocknete Shitaka Pilze ebenfalls empfehlenswert sind. Vielen Dank für eine Rückmeldung. Susa K.

Liebe Susa,
danke für deinen Kommentar! Ja, auf jeden Fall, ich würde immer nur auf gute Qualität achten (Bio).
Liebe Grüße,
Katharina

Liebe Katharina,
Danke für den tollen Artikel! Dein Blog ist wirklich super interessant zu lesen und es spricht mich auch sehr an, wie du schreibst.

Eine Frage zum Judasohr: Wo kann man diesen bekommen? Und haben die verwandten Mu-Err Pilze die gleiche Wirkung?
Liebe Grüße
Angela

Liebe Angela,
danke für deinen Kommentar und das nette Feedback, das freut mich!
Ich weiß leider nicht, wo du Judasohr bekommst, ich würde es im Bioladen probieren. Mu-Err und Judasohr sind eng verwandt laut Wikipedia, es gibt auch Quellen, in denen die beiden gleichgesetzt werden. Die Wirkungen sollten also übereinstimmen.
Liebe Grüße,
Katharina

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