Wie wirkt Salat nach TCM? Von Chicorée bis Rucola

Foto von Blattsalat (Fotolia)

Ich esse nicht gerne Salat. Weder Kopfsalat noch Radicchio noch Rucola. Ich konnte die einzelnen Sorten früher nicht einmal auseinanderhalten...

Und du?

Früher habe ich mich manchmal gezwungen, trotzdem ein paar Bissen grünen Salat zur Hauptmahlzeit zu essen, der Gesundheit wegen.

Dann habe ich die Ernährung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) entdeckt und mich sehr über folgende Entdeckung gefreut:

Salat ist gar nicht so wichtig für eine gesunde Ernährung! Juchuu!

Viel wichtiger als Blattsalate ist aus TCM-Sicht gekochtes Gemüse. Also gedünstete Karotten, Ofenkartoffeln, Tomatensuppe, Kürbisgemüse, gebratene Zucchini und Auberginen und vieles mehr. Ja, das ist schon mehr mein Geschmack!

Insofern ist die TCM bei mir auf einen guten Boden gefallen, da ich noch nie viel von Rohkost und Salat gehalten habe.

Dennoch hat Salat natürlich seinen Platz in einer gesunden Ernährung, auch wenn du dich nach der TCM-Ernährung richtest. Wie immer kommt es auf deine persönliche Konstitution an, z.B. ob du eher ein Hitze- oder Kältetyp bist. Bei innerer Kälte ist der Salat weniger günstig für dich.

Warum es keine Verbote in der TCM gibt: Das große Missverständnis – darfst du in der TCM-Ernährung alles essen, was dir schmeckt?

Hier erfährst du, ob Salat für dich empfehlenswert ist und wie die einzelnen Sorten genau wirken.

Gekochtes Gemüse ist bekömmlicher als rohes Gemüse und roher Salat

In der chinesischen Küche wird Salat oft kurz angebraten oder in Suppen mitgekocht. Warum? Weil rohes Gemüse als schwer bekömmlich gilt.

In der TCM-Ernährung steht die gute Verdaubarkeit im Mittelpunkt. Nur das, was wir gut verdauen können, tut unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden wirklich gut.

Gekochtes Gemüse gibt dem Körper das lebenswichtige Qi in bekömmlicher Form und versorgt ihn gleichzeitig mit wertvollen Säften. Die meisten Gemüsearten sind in gekochter Form sanft kühlend, neutral bis sanft wärmend. Somit sind sie für jeden Typ geeignet und wirken ausgleichend auf Yin und Yang. (Eine Ausnahme sind die Zwiebelgemüse, die stark wärmend wirken.)

Blattsalate wirken kühlend

Bist du ein hitziger Typ? Jemand, der auch im Winter im T-Shirt ist und die Sommerhitze nicht gut verträgt?

Dann tun dir Blattsalate sehr wahrscheinlich gut.

Innere Hitze zeigt sich etwa auch durch rote Hautausschläge, Sodbrennen, Reflux, erhöhten Blutdruck oder Schlafstörungen und innere Unruhe. Bei all diesen Symptomen kann dir der regelmäßige Genuss von Salat helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Aber Achtung: Wenn du zu ungeformtem Stuhl oder Durchfall neigst, sei vorsichtig mit Salat. Er könnte für deine Verdauung zu schwer bekömmlich sein.

Die meisten Verdauungsprobleme zählen in der TCM zu Milz-Qi-Mangel. Die Wirkung von Blattsalaten ist es aber, zu kühlen und Feuchtigkeit auszuleiten. Sie bauen definitiv kein Qi auf und können deshalb bei Milz-Qi-Mangel nicht helfen!

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Feldsalat (Vogerlsalat) ist übrigens der am wenigsten kühlende Salat von allen Sorten und deshalb am ehesten für Kältetypen geeignet.

Blattsalate leiten Feuchtigkeit aus

Das gilt besonders für die bitteren Sorten wie Chicoreé und Radicchio (Cicorino). 

Der bittere Geschmack wirkt trocknend und leitet das Qi nach unten. Dadurch wird etwa die Verdauung und die Diurese (Harnlassen) angeregt.

Blattsalate wirken also auch diuretisch, was bei schmerzhaftem Urinieren oder Blasenentzündung hilfreich sein kann.

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In meiner Quelle „Praxisbuch Nahrungsmittel und Chinesische Medizin“ (Bacopa-Verlag) werden Blattsalate z.B. bei Ödemen, Arteriosklerose und erhöhtem Cholesterinwert empfohlen, alles Symptome von zu viel Feuchtigkeit im Körper.

Blattsalate stärken die Leber und das Herz

Alle grünen Nahrungsmittel haben einen Bezug zur Leber.

Alle bitteren Nahrungsmittel unterstützen das Herz.

Wirkung auf die Leber

Feldsalat (Vogerlsalat), Endivien, Lattich (Romana-Salat), Portulak und Brunnenkresse tonisieren das Leber-Blut. Das ist etwa günstig bei trockenen Augen, trockener Haut, brüchigen Nägeln und Haaren oder zur Anregung der Muttermilchbildung.

Brunnenkresse und Chicoreé regulieren den Qi-Fluss und helfen bei Leber-Qi-Stagnation (z.B. Kopfweh, Blähungen, Druckgefühl bei den Rippen). Beide helfen außerdem bei Gallenflussstau, besonders der Chicorée, der auch zur Vorbeugung oder Behandlung von Gallensteinen eingesetzt werden kann. Die Gallenblase ist das Partnerorgan der Leber.

Rucola reguliert ebenfalls den Leber-Qi-Fluss und hilft bei Stagnation.

Wirkung auf das Herz

Feldsalat und Endivien stärken das Herz-Blut, was etwa bei Schlafstörungen, Nervosität und starkem Herzklopfen oder –rasen hilfreich ist. Herzblut- und Leberblutmangel gehen oft Hand in Hand.

Kopfsalat, Lattich, Endivien und Rucola beruhigen den Shen, das ist der Geist, der im Herzen wohnt. Wenn der Shen unruhig ist, sind wir nervös und reizbar und unruhig, können nicht abschalten und haben Schlafstörungen. Ein Blutmangel ist häufig die Ursache für einen unruhigen Shen.

Wichtig zu wissen: Salate alleine sind zu wenig, um Blut aufzubauen. Dazu braucht es als Basis eine nährende, gut bekömmliche Ernährung mit ausreichend Eiweißquellen, Getreide und gekochtem Gemüse. Die Salate sind eine wichtige Ergänzung dazu.

Tipps für SalatliebhaberInnen mit schwacher Verdauung

Wenn du Salat liebst, ihn aber nicht gut verträgst, probiere Folgendes:

  • Brate ihn kurz in der Pfanne an, 3 oder 4 Minuten reichen.
  • Mische grünen Salat mit gekochten Sorten wie z.B. in diesem Rezept.
  • Verwende wärmende, verdauungsfördernde Gewürze im Salat wie getrocknete Kräuter, Kümmel, gemahlenen Koriander oder etwas Ingwer.
  • Iss Salat als kleine Beilage zu gekochtem Essen und nicht als Hauptmahlzeit.
  • Iss Salat nicht am Abend.

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Kommentare

Hallo Katharina!
Ich werde ab März immer drei komplette Tage die Woche in Wien sein. Weil ich kein Geld habe mir dort eine gute gekochte Mahlzeit zu kaufen, Brot ja laut TCM nicht sehr förderlich ist (zumindest für mich, habe seit einem Jahr durchgängig Blasenentzündungen und Verdauungsbeschwerden) und ich auch keine Lust habe den ganzen Tag nur Suppen (die man ja in einer Thermoskanne mitnehmen kann) und Porridge zu essen, habe ich mir überlegt Salate mitzunehmen. Die schmecken ja auch unaufgewärmt noch gut im Gegensatz zu anderen Gerichten.
Ich würde das Blattgemüse natürlich mit gekochten Zutaten wie Kartoffeln oder Tomaten, Zuchini aus dem Ofen etc. kombinieren. Bin sowieso eher ein hitziger Typ und habe viel Feuchtigkeit/ Schleim und mir...
Meine Frage an dich ist nun was deine Empfehlung ist, ob ich die schwere Bekömmlichkeit des Salates trotzdem gut mit den extra gekochten Zutaten ausgleichen kann und ob es eine gute Idee ist, trotz meiner Verdauungsbeschwerden.
Ich wüsste nicht was ich mir sonst zum Mittagessen und Abendessen mitnehmen könnte...
Liebe Grüße
Marieke Haas

Liebe Marieke,
danke für deinen Kommentar.
Ja, deine Idee klingt sehr gut für mich, super! Genau so wie du schreibst, sind die gekochten Zutaten wichtig, um den Salat bekömmlicher zu machen. Höre einfach auf deinen Körper, wieviel Rohkost du verträgst, du wirst es sicher merken, ob es dir so gut tut oder du noch etwas ändern solltest. Schöne Zeit in Wien!
Liebe Grüße,
Katharina

war sehr informativ, weil ich absolut gerne Salat esse, fast jeden

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