Gastartikel: Wenn die Seele über die Haut spricht – Neurodermitis bei hochsensiblen Kindern, von Karin Abriel

Karin Abriel, Expertin für die Unterstützung hochsensibler Kinder

Karin Abriels Herzensanliegen als dipl. Pädagogin, Shiatsu-Praktikerin, (ehemalige) Neurodermitikerin und Mutter eines hochsensiblen Sohnes mit Neurodermitis ist es, hochsensible Erwachsene und Kinder im stressigen (Schul)Alltag zu unterstützen.

Sie berät bei Schulschwierigkeiten wie AD(H)S und bietet Unterstützung durch Körperarbeit, die gerade hochsensible Kinder sehr schnell zur Ruhe kommen lässt und das Wohlbefinden deutlich verbessert. Mehr Info zu Karin finden Sie auf ihrem Blog.

Wenn die Seele über die Haut spricht - Neurodermitis bei hochsensiblen Kindern

Hochsensibilität ist Ausdruck einer zarten Seele. Einer Seele, der sehr schnell alles zu viel wird. ALLES zu VIEL.

Sensible Seelen leben in sensiblen Körpern, denen es oftmals sehr schwer fällt, sich ausreichend vor dem hektischen Alltag und dem vorherrschenden Zeit- und Anpassungsdruck zu schützen.

Da der hochsensible Körper all die auftretenden Umweltreize nicht ausreichend verarbeiten kann, reagiert er mit Abwehr.

Die Haut als Spiegel der Seele ist wund, rissig und offen für Krankheitserreger.

Das bringt im Alltag sehr viel Leid mit sich, da es in jeder Hinsicht sehr schwer ist, der grenzüberschreitenden Zeit, in der wir leben, die Stirn zu bieten.

Die Leistungsorientiertheit, Schnelligkeit, das getriebene DaSein und die vorherrschenden Normen darüber, was „gesund“ und was „krank“ ist, wie etwas und jemand zu sein hat und sich anzupassen hat, erschweren es ungemein, das eigene Tempo zu leben, gut auf sich aufzupassen und Grenzen zu setzen.

Und genau darum geht es bei unserem größten Organ, der Haut. Sie dient dazu, unseren Körper und den darin wohnenden Geist, unser Wesen, unsere Seele von der Umwelt gesund abzugrenzen.

Verwundete Haut bedeutet Grenzüberschreitung!

Aus eigener leidvoller Erfahrung und Mutter eines hochsensiblen Sohnes mit Neurodermitis habe ich des Öfteren Ratschschläge gehört wie:

"Sei doch nicht so zimperlich!"

oder

"Dann nimm halt Cortison!"

oder

"Hör doch einfach auf zu kratzen!"

 

Außerdem haben mein Sohn und ich alle nur erdenklichen Mittelchen, Cremen und Tinkturen empfohlen bekommen - langfristig mit immer dem gleichen Effekt: gar keinem!

 

Medizinische Forschung über das Auftreten von Neurodermitis steckte in meiner Kindheit in den Kinderschuhen.

Aber auch heute wird bei der schulmedizinischen Betrachtung atopischer Dermatitis (der aktuellere, aber nicht so geläufige Begriff) in keinster Art und Weise mit einbezogen, dass es sehr viele äußere Faktoren sind, die das Auftreten bedingen:

  • Der unglaubliche Druck, der in unserer Gesellschaft vorherrscht.
  • Die Erwartung, mit einem als normal angesehenen stressigen (Schul)Alltag umgehen zu können.
  • Die Schnelligkeit, in der sich Alltagssituationen nacheinander abspielen. Man hetzt von der Schule zum Musikunterricht und dann noch zum nächsten und übernächsten Termin ohne zwischenzeitlich inne zu halten.

 

Der hochsensible Geist, der das alles nicht gut verarbeiten kann, kommt dadurch nicht zur Ruhe. Diese Unruhe kann sich in Neurodermitisschüben, begleitet von unglaublichem Juckreiz, nässenden Ekzemen, Hautinfektionen, Unverträglichkeiten und Allergien zeigen.

Und da physiologisch gesehen Haut, Darm und Lunge eine Einheit bilden, kommen zu dem ganzen Szenario auch oft noch Verdauungsstörungen wie Durchfall, Verstopfung und Blähungen sowie Atemwegserkrankungen, vor allem Asthma, dazu.

Oftmals sind auch jene Kinder, denen Konzentrationsschwäche, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität zugesprochen wird, von Neurodermitis betroffen. Manchmal aber auch die ganz stillen, die, die alles über ihre zarte Haut aufnehmen und nichts verarbeiten können.

Was also tun? Wie können Sie Ihr Kind, das immer mal wieder oder chronisch an Neurodermitis leidet, bestmöglich unterstützen?

 

Wenn man Neurodermitis alternativmedizinisch, also ganzheitlich betrachtet, wirken hier demnach

  • die eigene (hochsensible) Veranlagung
  • Umweltfaktoren
  • und letztendlich der eigene Lebensstil zusammen.

 

Und genau da kann man ansetzen: Das Bewusstsein für dieses Zusammenspiel erleichtert es, damit umzugehen.

Bewusstes Leben heißt, bewusst und achtsam mit sich und seinem Körper umzugehen, wahrzunehmen, was ihm gut tut, wo die eigene Grenze liegt und wo Grenzen zu setzen sind.

Die Bewusstheit fängt bei uns Eltern an und darf unseren Kindern weiter vermittelt werden.

  • Achten Sie auf bewusste, typentsprechende und auf das Hautbild abgestimmte Ernährung. Hier hat Katharina in ihren Neurodermitis-Blogartikeln die besten Tipps und Hinweise für Sie und Ihr Kind.
  • Bemühen Sie sich um eine möglichst stressreduzierte und geordnete Umgebung für Ihr Kind. Laut TCM ist die Haut dem Metall Element zugeordnet. Metall steht für Struktur und Klarheit. Ist die Haut wund, kann mit äußerer Struktur das Wohlgefühl verbessert werden, Ihr Kind kann besser zur Ruhe kommen.
  • Achten Sie auf ausreichend Frischluft im Schlaf-/Kinderzimmer. Bei Neurodermitis ist die Lunge genauso wie die Haut von einer Imbalance betroffen. Viel frische Luft und immer mal wieder bewusst auf die Atmung achten, können das Wohlbefinden unterstützen. Leiten Sie Ihr Kind an, die Hände auf den Bauch zu legen und dann mit voller Aufmerksamkeit (ev. mit geschlossenen Augen) in die Hände zu atmen, frische Energie in den Bauchraum zu schicken, von wo sie sich im ganzen Körper verteilt.
  • Reduzieren Sie Stress im Alltag so gut es geht. Wohl eine der größten Herausforderungen, vor allem bei schulpflichtigen Kindern. Versuchen Sie den Zeitplan mit Ihrem Kind zu besprechen und fragen Sie Ihr Kind oft nach seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Durch die wunde rissige Haut leidet auch immer der Selbstwert. Deshalb ist es so essentiell, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse in geschützter Umgebung wahrnehmen und ausdrücken zu lernen.
  • Berühren und Streicheln Sie Ihr Kind oft. Berührung nährt Haut und Seele und gerade hochsensible Kinder mit Neurodermitis sprechen sehr gut auf Hautkontakt an. So lernen sie liebevoll ihre „Grenze“ zu spüren. Oftmals helfen auch regelmäßige, sanfte Körperbehandlungen wie beispielsweise Shiatsu, damit die Kinder lernen in ihrem Körper zur Ruhe zu kommen.
  • Versuchen Sie Druck jeglicher Form zu vermeiden. Druck überschreitet die zarte Hautbarriere. Eng sitzende Hosen, Strumpfhosen, Gürtel aber auch Etiketten in Kleidungsstücken werden oft zur Qual.
  • Zu guter Letzt: Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Kind durch seine dünne Haut sehr vieles aus seiner Umwelt wahrnimmt, was anderen oft verborgen bleibt – das ist ein großes Geschenk und kann mit Unterstützung den Alltag sehr bereichern.

 

Mehr Informationen über Hochsensibilität und mein Angebot finden Sie unter: www.hochsensibilitaet.at

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Kommentare

Hallo. Ich suche für meine kinder 6 und 9 Jahre alt eine Reha klinik. Hat jemand Erfahrungen mit kliniken und Neurodermitistherapie möglichst kortisonfrei. Danke für die Rückmeldung. Ana

Jeden Tag bin ich dankbar fuer meinen zarten Sohn, dafuer dass er mir zeigte was das wahre Leben ist. Jeder Schritt in die Abgrenzung nach Aussen, schloss eine seiner zahlreichen, naessenden Wunden und auch meine tief verborgenen.
Danke fuer Ihre Worte.
Sinja

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