Fasten aus Sicht der TCM und ein paar Warnhinweise

Ein weißes Schild, auf dem Heilfasten steht, auf roten Ästen liegend.

In meiner offenen Facebook-Gruppe "TCM-Power" hatten wir gerade einen interessanten Post zum Thema "Heilfasten", in dem es darum ging, Erfahrungen dazu auszutauschen.

Einige schrieben: Ja, Heilfasten ist toll und hat mir sehr geholfen! 

Andere schrieben: Es war fürchterlich und ich mache es nie wieder. 

Das hat mich in meiner Erfahrung bestätigt, dass es nichts gibt, was für alle gilt. Auch das Fasten ist nicht für jeden geeignet.

Überlegst du auch, eine Fastenkur zu machen? Einige Tipps...

Meine wichtigste Empfehlung für dich ist: Höre auf dein Bauchgefühl, was für DICH der richtige Weg ist, und lass dir nichts von außen einreden!

Und: Es gibt viele Wege nach Rom, sehr viele sogar. 

Du musst nicht komplett aufs Essen verzichten und nur trinken, du kannst auch sanftere Kuren machen.

Und genau das empfiehlt auch die TCM: Iss einige Wochen vermehrt Gemüsesuppen, Reis oder Hirse, Linsen und für den Süßhunger Apfelkompott. Wenn du es dann noch schaffst, auf Zucker, Weißmehl und Fertigprodukte möglichst zu verzichten, hast du schon eine wunderbare Entgiftungskur gemacht und deinen Körper damit nicht überfordert. Eine noch mildere Methode ist, jede Woche oder alle paar Wochen ein bis zwei Reis-Gemüse-Tage einzulegen. 

Je strenger die Kur ist - also je weniger du zu dir nimmst -, desto wichtiger ist aus meiner Sicht eine gute Begleitung. Das heißt, ich würde eine strenge Fastenkur nur in einem entsprechenden Kurhotel oder mit einem Fastenbegleiter machen. Das Problem ist nämlich, dass sich schnell viele Giftstoffe lösen und der Körper dadurch heftige Symptome zeigen kann, von Kopfschmerzen bis Gelenksschmerzen. Und das kann ganz schön erschreckend sein. Mit einer professionellen Begleitung kann man diese Beschwerden besser verstehen und abfangen, z.B. mit Leberwickeln, Einläufen oder bestimmten Kräutertees.

Mir fehlen in diesem Bereich übrigens die persönlichen Erfahrungen, da ich noch nie gefastet habe, also komplett auf Essen verzichtet. Ich habe allerdings schon einige Reiskuren gemacht, die die TCM empfiehlt, um gezielt Hitze und Feuchtigkeit auszuleiten. Meine Motivation für die erste Reiskur war meine Neurodermitis, und da hat mir diese Kur tatsächlich sehr weitergeholfen. 

Bei der Reiskur sieht man den Grundsatz der TCM, dass wir immer regelmäßig essen sollten, auch wenn wir den Körper reinigen möchten. Mahlzeiten auszulassen, schwächt das Milz-Qi und damit die Verdauungskraft und den Stoffwechsel. Lies hier, wie du eine Reiskur durchführst und für wen sie sich eignet (und für wen nicht). Ich denke, für die meisten Menschen ist eine Reis-Gemüse(suppen)-Kur, wie oben beschrieben, die bessere Wahl, da sie leichter durchzuhalten ist und noch sanfter wirkt. 

Für wen sich eine Fastenkur eher eignet und wer laut TCM nicht fasten sollte

Insgesamt würde ich sagen, dass die sanfte Fastenkur mit gekochtem Getreide, gekochtem Gemüse bzw. Gemüsesuppen, Linsen oder anderen Hülsenfrüchten (wenn bekömmlich) sich für jeden eignet. Wichtig dabei sind regelmäßige Mahlzeiten und so zu essen, dass man satt wird. Die Verdauung sollte funktionieren, da sie ein wichtiger Ausleitungsweg für die Hitze und Feuchtigkeit (Schlacken) und Giftstoffe ist, die beim Fasten gelöst werden. Achtung also bei Verstopfung - versuche dann etwa in Wasser eingelegte Trockenpflaumen zu essen. Und trinke ausreichend, das Hauptgetränk sollte Wasser sein (bestimmte Kräutertees können gut ergänzen). 

Eine strenge Fastenkur, z.B. nur mit flüssiger Nahrung oder nur mit Rohkost, ist laut TCM nicht geeignet bei

  • innerer Kälte/Yang-Mangel
  • Qi- und Blutmangel
  • Untergewicht

Das bedeutet: Wenn du sehr verfroren bist oder sehr erschöpft und müde oder zart gebaut oder sehr trockene Haut/Augen und "dünne" Nerven hast, lasse die Finger von Rohkost- oder Saftkuren oder vom Gar-nichts-Essen. Solche Kuren könnten deine innere Kälte und Qi-Mangel verstärken. Ich würde dir eher empfehlen, dein Qi gezielt zu stärken.

Wenn du hingegen viel Energie hast und dir eher zu warm als zu kalt ist und du normal bis stärker gebaut bist (nicht untergewichtig), dann probiere ruhig auch mal eine strenge Fastenkur aus, aber suche dir bitte eine gute Begleitung dafür. Falls du sie alleine durchführen möchtest, halte die Kur bitte eher kurz und höre gut auf dein Bauchgefühl, wann es genug für dich ist. 

Hier findest du mein ausführliches Video zum Thema Fasten nach TCM mit vielen Tipps zur Durchführung auf youtube (34 Minuten).

Was ist deine Motivaton für eine Fastenkur?

Wenn du deine Verdauung entlasten möchtest und Feuchtigkeit bzw. Schlacken abbauen willst, die sich durch zu viele Süßigkeiten oder Fast Food etc. gebildet haben, ist das auf jeden Fall ein guter Grund fürs Fasten oder Reinigen. Achte allerdings darauf, dass du danach nicht gleich wieder genauso weiter isst, wie vorher. Nimm das Fasten oder die Reis-Gemüsekur als Anlass, deine Ernährung auf Dauer zu ändern und die ungesunden Gewohnheiten zu reduzieren. Das heißt nicht, nie wieder Schokolade zu essen, sondern einen bewussteren Umgang damit zu finden und ehrlich zu dir zu sein, ob der Großteil deiner Ernährung für dich gesund und bekömmlich ist. 

Ein Fehler, den ich immer wieder sehe, ist dass Menschen mit einer Fastenkur abnehmen möchten. Das kann natürlich nur vorübergehend funktionieren, wenn überhaupt. Du kennst sicher den berühmten Jojo-Effekt, der unter anderem daher kommt, dass der Körper nach einer Diät oder einer Fastenkur glaubt, jetzt wieder besonders gut Masse aufbauen zu müssen und alles speichern zu müssen - bevor die nächste "Hungersnot" kommt. Der einzige Weg, um nachhaltig und gesund abzunehmen, ist meiner Ansicht nach eine dauerhafte Ernährungsumstellung sowie ein Erforschen der wahren Bedürfnisse und Gefühle, die sich oft hinter Übergewicht und übermäßiger Beschäftigung mit dem Essen beschäftigen (Gastartikel: Was nährt mich? Was brauche ich wirklich - jenseits von Essen? von Birgit Ruf)

Ein weiterer Fehler ist, zu glauben, dass man mit Fastenkuren wiedergutmachen kann, was man den Rest des Jahres mit ungesundem Essen anrichtet. 50 Wochen im Jahr Alkohol zu trinken, vorwiegend von Pizza und vielleicht dem einen oder anderen Salat zu leben und jeden Tag 5 Tassen Kaffee zu trinken, ist eine Wahl, die du für dein Leben treffen kannst. Glaube aber bitte nicht, dass eine zweiwöchige Fastenkur einmal im Jahr das alles wieder ausgleichen kann. Es geht bei einem gesunden Lebensstil einfach wirklich um das, was wir jeden Tag in unserem Alltag machen. Dabei empfehle ich gerne die 80-20-Regel - wenn du etwa zu 80 % gesund isst, ausreichend schläfst und nicht zu viel Stress hast, kannst dein Körper die restlichen 20 % sehr gut wegstecken - sogar ganz ohne Fastenkur! 

Mein abschließendes Plädoyer deshalb ist: Schau ehrlich hin, weshalb du fasten möchtest, und entscheide für dich, was richtig für dich ist. Was möchtest du erreichen? Ist dafür Fasten die beste Möglichkeit oder wäre vielleicht eine dauerhafte Umstellung deiner Ernährung eine bessere Idee? Auf sanfte und alltagstaugliche Weise?

Wenn du gemeinsam mit mir deine Ernährung umstellen willst, um deine Symptome Schritt für Schritt zu verbessern, freue ich mich, dich in meinem Onlinekurs "Trust your Body - Finde deine typgerechte Ernährung nach TCM" zu begrüßen! 3 Monate lang bekommst du Videos, Audios und Texte mit alltagstauglichen und typgerechten Tipps und ich unterstütze dich in 3 Frage-Antwort-Webinaren und einer privaten Facebook-Gruppe. Du kannst jederzeit mit dem Kurs beginnen. Gemeinsam schaffen wir es!

Welche Erfahrungen hast du mit Fastenkuren gemacht - mit Heilfasten oder mit Reiskuren oder anderen Varianten? Ich freue mich auf deinen Kommentar und einen Erfahrungsaustausch!

Kommentare

Ich ernähre mich seit ca. 3 Jahren nach den Grundsätzen der TCM (mal mehr mal weniger ;)). Unlängst habe ich auch eine Fastenzeit probiert. Ich habe mich in das Thema eingelesen und dann die 16-8 Methode gewählt, d.h. 16 fasten, 8h normal essen. Ich muss ehrlich sagen, mir ging es nicht gut dabei. Ich hatte ununterbrochen Kopfschmerzen. Allerdings denke ich nicht, dass das an der Entgiftung lag, sondern eher dass ich mein Yin geschwächt hatte. Ausserdem habe ich sehr schlecht geschlafen, hatte Konzentrationsschwierigkeiten und mir war immer leicht übel und ich hatte Verstopfung. Ich weiß von mir, dass mir regelmäßige, gekochte, leichte Mahlzeiten und viel Bewegung gut tun. Das hat sich während der Fastenzeit wieder bestätigt. Ich bin gerne aktiv und kreativ und hatte das Gefühl, dass mir während des fastens die Erdung fehlte. Darum, für mich ist das nix! Noch ein kleines Add on: wenn ich leichte, gekochte Kost zu mir nehme und mich regelmäßig bewege (da reicht schon ausgedehntes spazieren gehen) dann habe ich oft schon eher mein Gewicht gehalten, als wenn ich streng gefastet habe. Dann hat mir nämlich jegliche Energie für Bewegung und auch die Freunde und Motivation gefehlt :)

Liebe Julia,
danke für deinen Kommentar und das Teilen deiner Fasten-Erfahrungen! Ich denke, es ist so wichtig, ehrlich in sich reinzuspüren, was einem gut tut uns was nicht. Schön, dass dein Körper dir das so toll zeigt und du darauf hörst!
Liebe Grüße,
Katharina

Es war bei mir genauso wie du es beschreibst: Das Intervallfasten hat meine innere Kälte/Yang Mangel und meinen Qi-Mangel verstärkt. Ich war vorher schon schnell erschöpft und anfangs tat mir das Intervallfasten gut, ich hatte keine Probleme damit, mit dem Essen auszusetzen bzw. zu warten, aber im Sommer bekam ich dann eine sehr schwere 4-wöchige-Erkältung, die mich an den Rand meiner Kräfte getrieben hat. So schlimm war ich noch nie erkältet gewesen und seitdem ernähre ich mich nach TCM. Ich dachte, nach einer fünfjährigen Phase mit Medikamenten aufgrund einer Krebserkrankung würde mir das Intervallfasten helfen, den Körper zu entgiften. Schlussendlich hat es mir mehr geschadet als geholfen. Mein Fazit ist, wenn man sich selbst und seinen Körper und Seele geduldig und liebevoll behandelt, bereinigt sich vieles von alleine.

Liebe Jazz,
vielen Dank für deinen Kommentar und das Teilen deiner Erfahrungen! Schön, dass du jetzt so gut spürst, was dir gut tut und was nicht.
Liebe Grüße,
Katharina

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