Diabetes nach TCM: Ursachen und die wichtigsten Ernährungstipps

Diabetes nach TCM: Ursachen und Ernährungstipps

Als Kind kannte ich niemanden, der Diabetes hatte. Zuckerkrank waren nur alte Menschen, so richtig alte Menschen.

War das bei Ihnen auch so?

Heute sind immer mehr junge Menschen betroffen. Warum ist das so?

Ursachen von Diabetes Typ 2:

  • zu viel essen
  • zu fettig essen
  • zu viel Weißmehl
  • zu viel Zucker
  • zu viele tierische Produkte
  • zu viele Fertigprodukte

Ich denke, es ist vor allem der Überfluss an stark verarbeiteten Nahrungsmitteln und raffiniertem Zucker, der für die rapide Ausbreitung von Diabetes verantwortlich ist.

Immerhin: Wir können selbst beeinflussen, ob wir Diabetes mellitus ("honigsüßer Durchfluss", benannt nach dem Hauptsymptom Zucker im Harn) bekommen oder nicht.

Durch unseren Lebensstil (Bewegung, Stress...) und unsere Ernährung.

Das gilt natürlich nur für den Typ-2-Diabetes, also den, der erst im Laufe der Jahre entsteht (auch bekannt als "Altersdiabetes", im Unterschied zum "jugendlichen" Diabetes Typ 1).  Leider bekommen heute auch immer mehr junge Leute den "Altersdiabetes", weshalb die Begriffe überholt sind.

Paul Pitchford sagt, dass bei der richtigen Ernährung "ca. 80 % der Diabetiker aufhören können, Insulin oder Medikamente zu nehmen, und die restlichen 20 % können ihre Einnahme reduzieren". (Healing with Whole Foods, S. 371, Übersetzung aus dem Englischen von mir)

Das ist doch sehr ermutigend, oder?

4 Tipps können Sie als DiabetikerIn sofort umsetzen – da sind sich die westliche Medizin und die TCM einig:

  1. Streichen Sie weißen Zucker und Weißmehl und essen Sie stattdessen komplexe Kohlenhydrate (z.B. Hirse, Polenta, Hafer). So steigt und fällt der Blutzuckerspiegel regelmäßiger und Sie vermeiden den Zick-Zack-Kurs, der durch weißen Zucker und Weißmehl entsteht.
  2. Essen Sie mehr Gemüse (laut TCM vorwiegend gekocht) und Hülsenfrüchte.
  3. Schmeißen Sie alle gezuckerten Limonaden und Säfte aus Ihrem Vorratsschrank und trinken Sie ab sofort Wasser und Kräutertees.
  4. Meiden Sie Fertigprodukte und kochen Sie möglichst oft frisch.

Alleine mit diesen Maßnahmen wird sich Ihr gesundheitlicher Zustand sehr wahrscheinlich bessern!

Die Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) auf Diabetes

Alle Details zum Thema finden Sie in der empfehlenswerten Diplomarbeit von Roswitha Hauke "Diabetes mellitus – Fundamentale Störung der Mitte"

Ich möchte Ihnen hier einen kurzen Überblick geben.

In der TCM geht es immer um die Symptome, die bei einer Krankheit vorherrschen. Diese deuten auf verschiedene Ursachen und werden dann dementsprechend behandelt – mit Akupunktur, Kräutern, Qi Gong und Ernährung.

Deshalb ist auch Diabetes nicht gleich Diabetes.

ErnährungsberaterInnen nach TCM passen ihre Ernährungstipps zum Beispiel danach an, ob Sie ein Fülle- oder Mangel-Typ sind. TCM-ÄrztInnen tun bei der Verschreibung von Akupunktur und Kräutern dasselbe.

Fülle bedeutet z.B. Übergewicht, ein rotes Gesicht, viel Energie und eine laute Stimme. Hier wird mehr gekühlt und Hitze bzw. Feuchtigkeit ausgeleitet, z.B. auch mit mehr Früchten und vorwiegend Gemüse. Tierische Produkte sollte dieser Typ eher meiden.

Mangel bedeutet z.B. Erschöpfung, Blässe, Durchfallneigung und schwachen Appetit. Hier muss man vor allem das Milz-Qi stärken und darf mehr aufbauen, zum Beispiel auch mit Fleisch und Kraftsuppen.

Häufiger ist bei uns der Diabetes-Fülle-Typ anzutreffen, der durch den übermäßigen Genuss von Fleisch, Zucker und Weißmehl entstehen kann.

Mangel-Diabetes kommt nach Paul Pitchford (Healing with Whole Foods, S. 372) zum Beispiel bei Müttern vor, vor allem bei Mehrfachmüttern. Diese sind eine besondere Risikogruppe für Diabetes.

Ein anderes wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist das Überwiegen von Hitze und Kälte. Je nachdem sollten erwärmende oder kühlende Nahrungsmittel bevorzugt werden.

Sie merken schon: In der TCM geht es immer um die individuelle Konstitution!

Allgemeingültige Tipps gibt es auch bei Diabetes nicht. (Außer den 4 Tipps von oben, die gelten tatsächlich für jeden.)

Die ursprüngliche Bezeichnung der TCM für Diabetes lautet "Ausscheiden und Dürsten", benannt nach den Hauptsymptomen:

  • verstärkter Harnfluss
  • großer Durst

Das dritte Hauptsymptom ist:

  • Heißhunger

Die dahinterstehenden Syndrome nach TCM sind:

  • Nieren-Yin-Mangel (großer Durst, innere Hitze, innere Unruhe, Schlafprobleme, Nachtschweiß, trockene Haut/Schleimhäute, erhöhter Blutdruck)
  • Milz-Qi-Mangel (mangelnde Umwandlung, Verdauungsprobleme, Nahrungsmittelintoleranzen, Übergewicht, Müdigkeit, Süßhunger)
  • Magen-Hitze (Heißhunger, Sodbrennen, Magenschmerzen, Verstopfungsneigung, Reflux)

Daraus ergeben sich auch die wichtigsten Ernährungsempfehlungen nach TCM:

  • Yin stützen und Magen kühlen mit sanft kühlenden, saftigen Speisen wie Gemüsesuppen und Kompotten
  • Yin stützen mit mineralstoffreichen Getreidearten wie Hirse und Quinoa sowie mit Hülsenfrüchten
  • Milz-Qi aufbauen mit einem gekochten Frühstück und regelmäßigen, vorwiegend gekochten Mahlzeiten (mind. 2  gekochte Mahlzeiten täglich)

Meiden Sie diese yin- und qi-schädigenden Gewohnheiten:

  • scharf essen (Knoblauch, Pfeffer, Chili)
  • zu viel Fleisch essen
  • häufiges Überessen
  • zu viel Kuhmilch, Käse und Jogurt
  • zu viel Rohkost
  • zu häufige Brotmahlzeiten
  • Mahlzeiten auslassen und Hunger übergehen
  • Alkohol und Kaffee im Übermaß

Mehr Tipps zur Stärkung Ihres Stoffwechsels (Milz-Qi): Dauermüde, Süßhunger und schlechte Verdauung? Die 20 besten Nahrungsmittel nach TCM für Ihre Milz.

Besonders empfehlenswerte Nahrungsmittel nach TCM bei Diabetes:

  • Birne
  • Gerste
  • Grüne Bohnen (Fisolen)
  • Hafer
  • Heidelbeere (Blaubeere)
  • Hirse
  • Karotte
  • Kichererbsen
  • Mais (frisch)
  • Mungbohne
  • Pflaume (Zwetschke)
  • Reis
  • Rettich
  • Shiitake
  • Spargel
  • Spinat
  • Stangensellerie
  • Tofu
  • Weizenkleie
  • Zitrone

Die beste Wirkung erzielen Sie mit diesen Nahrungsmitteln, wenn Sie regelmäßig kleine Mengen davon in Ihre Mahlzeiten einbauen. (Ausnahme: Die Getreidearten können Sie auch in größeren Mengen essen, da sie sehr gut bekömmlich sind.)

Es geht nicht darum, auf einen Sitz einen Haufen Pflaumen oder Weizenkleie zu essen. Damit würden Sie Ihre Milz ziemlich sicher überfordern.

Versuchen Sie lieber, Ihre Ernährung Schritt für Schritt in eine gesündere Richtung umzustellen und dabei immer wieder Nahrungsmittel aus der Liste auszuprobieren. Aber nur welche, die Ihnen schmecken!

Quellen:

  • Paul Pitchford, Healing with Whole Foods
  • Ute Engelhardt/Carl-Hermann Hempen, Chinesische Diätetik

 

Wenn Sie im Internet nach natürlichen Heilmitteln für Diabetes suchen, werden Sie immer wieder auf folgende 2 Empfehlungen treffen:

  • Zimt: soll den Blutzuckerspiegel regulieren bzw. senken
  • Ginseng: soll den Blutzuckerspiegel senken und gegen die häufig vorhandene Müdigkeit helfen

Aber Achtung:

Zimt wirkt nach TCM stark erwärmend und kann innere Hitze, die durch den Yin-Mangel bei Diabetes fast immer dabei ist, verstärken! (Wie gesund ist Zimt?)

Achten Sie besonders auf Hitzewallungen, rote Wangen/Flecken im Gesicht, heiße Füße, Nachtschweiß und Unverträglichkeit von äußerer Hitze.

Meiden Sie Zimt, wenn Sie sich hier wiedererkennen.

Ginseng ist ein starkes Qi-Tonikum. Bei hohem Blutdruck ist er mit Vorsicht zu genießen! Bitte kontaktieren Sie im Zweifel einen TCM-Arzt/Ärztin für die Dosierung – Ginseng hat starke Wirkungen und sollte nicht unterschätzt werden.

 

Zum Abschluss ein Zitat aus der Diplomarbeit von Roswitha Hauke:

"Die westliche Medizin und Forschung konzentriert sich (bei Diabetes) auf die medikamentöse Behandlung, die in der Senkung des Blutzuckers besteht. Die Therapie ist damit weitgehend symptomorientiert. Im Gegensatz dazu ermöglicht die chinesische Medizin eine weitaus differenziertere Sichtweise auf die diabetische Erkrankung. Sie unterscheidet eine Vielzahl von krankheitsverursachenden Faktoren. Das Diabetische Syndrom stellt sich bei jedem Menschen in unterschiedlichen Syndrommustern dar, welche individuelle Behandlung erfordern. Ziel ist dabei die Selbstregulation des Körpers zu stärken bzw. wiederherzustellen, und die Medikamentenabhängigkeit zu beenden."

Gerade bei Diabetes ist die Eigenverantwortung gefragt, da kann die TCM gut dabei helfen.

Nehmen Sie es in die eigenen Hände, Ihren Lebensstil und Ihre Ernährung zu verbessern, es zahlt sich aus!

 

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Kommentare

Eine sehr informative Seite, die Betroffenen mit Sicherheit weiterhilft. Immer mehr Ärzte und Heilpraktiker sagen aber auch ganz klar: Wer seinen Lebensstil ändert, sich gesünder ernährt und sich viel bewegt, kann seine Diabetes in den Griff bekommen. Auch diverse Studien belegen, dass – mit Änderung des Lebensstils – die sogenannte „Altersdiabetes“ vermieden bzw. positiv beeinflusst werden kann. Einige meiner Blogbeiträge zeigen auf, was Betroffene tun können. So unter anderem auch in diesem Artikel: https://www.wirksam-heilen.de/blog/altersdiabetes-war-gestern/

Herzlichst Bärbel Puls - Verlag Wirksam Heilen (www.wirksam-heilen.de/blog/)

Liebe Bärbel,
danke für deinen Kommentar!
Ich habe gerade in deinen Blog reingelesen und finde ihn interessant. Viel Erfolg damit weiterhin!
Liebe Grüße,
Katharina

Danke, für die sehr ausführliche Beschreibung und auch Recherche in Bezug auf Diabetes. Danke, dass du deine Erfahrungen hier mit uns so bereitwillig teilst.
Ich gebe diesen Link meiner Tante weiter. Sie steht leider kurz davor Diabetesmedikamente einnehmen zu müssen.
LG Selma

Liebe Selma,
danke für deinen Kommentar und das liebe Feedback!
Alles Gute für deine Tante und liebe Grüße,
Katharina

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