Besser fühlen in Zeiten der Krise - 5 Tipps aus der Achtsamkeit

Foto von Steinen im Wasser, die aufeinander gestapelt sind

Merkst du auch, dass dich die Nachrichten über die Entwicklung der Corona-Krise beunruhigen? Machst du dir Sorgen, ob du oder deine Nächsten krank werden könnten? Oder bist du wütend, weil sich Menschen nicht an die Regeln halten (oder zu viel an die Regeln halten - je nach deinem Standpunkt)?

Es ist verständlich und normal, dass uns diese Ereignisse mitnehmen und alle möglichen unangenehmen Gefühle in uns auslösen. In den letzten Jahren habe ich für mich gelernt, trotz aller möglichen äußeren Anlässe meinen inneren Frieden zu bewahren. So bin ich trotz aller Ereignisse (Corona, Politik, Anschläge...) auch heute gelassen und im Frieden, ja, an den meisten Tagen sogar richtig glücklich.

Gerne möchte ich das, was ich da für mich entdeckt habe und was mein Leben so radikal zum Besseren gedreht hat, an dich und alle anderen meiner LeserInnen und Follower weitergeben. Deshalb habe ich gestern in meiner Facebook-Gruppe "TCM-Power" ein Video zum Thema "Umgang mit Corona-Sorgen, Ängsten und Wut" gemacht. Hier kannst du das Video nachschauen (und der Gruppe gratis beitreten). Und die wichtigsten Tipps fasse ich hier für dich zusammen.

5 Tipps aus der Achtsamkeit, wie du dich besser fühlen kannst

1. Stelle dir Fragen, die dich ermächtigen.

Diese Fragen stelle ich mir zur Zeit etwa:

Was kann ich in dieser Situation beitragen? Wie kann ich ein Teil der Lösung sein statt des Problems?

Das hat mich dazu gebracht, das Video gestern auf Facebook zu machen. Und den Kurs "Wie du dich besser fühlst" zu entwerfen. So komme ich aus dem Gefühl der Hilflosigkeit heraus, hinein ins Tun und Beitragen. Genau das kannst du auch machen, zum Beispiel indem du jemandem zuhörst, dem es gerade schlecht geht. Indem du FreundInnen und Verwandte anrufst und einfach mal fragst, wie es ihnen so geht. Oder indem du in deiner Nachbarschaft deine Augen und Ohren offen hältst, wie du helfen kannst. Und du wirst merken, dass es auch dir durch diesen Beitrag besser geht. 

Weitere Fragen sind:

Welche Mutter/Tochter/Partnerin/Arbeitskollegin/Freundin/Nachbarin möchte ich jetzt gerne sein? Wie möchte ich auftreten, was möchte ich an meine Umgebung vermitteln? 

Wie kann ich zu einer Gesellschaft beitragen, die mehr von Mitgefühl und Menschlichkeit geprägt ist als von Misstrauen und Angst?

Welche Werte sind mir persönlich wichtig und welche möchte ich auch und gerade in Krisenzeiten leben und verkörpern? 

Wie kann ich in dieser Zeit gut für mich sorgen, damit ich in meiner Kraft bleibe?

Bei diesen Fragen geht es nicht darum, dass du sofort Antworten darauf hast, sondern sie sollen dein Unterbewusstsein anregen, dir Inspiration und Ideen und Möglichkeiten zu zeigen. Und sie helfen uns, ein bewusstes und absichtsvolles Leben zu führen, statt uns von Gefühlen und Stimmungen leiten zu lassen.

2. Sammle Glücksmomente.

Halte jeden Tag Ausschau nach den Momenten und Erlebnissen, die dich erfreuen, die dein Herz erwärmen, die dich glücklich machen.

Das sind oft die kleinen Dinge, wie ein schöner Wolkenhimmel, eine liebevolle Umarmung, ein nährendes Gespräch mit einer Freundin oder das Beobachten eines Vogels oder einer Pflanze. Mache dir diese Augenblicke wirklich bewusst und freue dich daran. Am Abend erinnere dich dann an diese Momente und spüre die Freude darüber in deinem Körper. 

Wenn du das eine Zeitlang übst, wird dein Unterbewusstsein bald ganz automatisch viel mehr Dinge entdecken, die dich glücklich machen - und weniger davon, was dich traurig oder ängstlich macht. Das, worauf du deine Aufmerksamkeit legst, wird mehr in deinem Leben.

3. Verarbeite deine Gefühle, statt sie zu verdrängen oder darin zu versinken.

Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut wollen gefühlt werden. Wenn du sie verdrängst oder unterdrückst oder gegen sie ankämpfst, werden sie nur stärker und belasten dich auf Dauer mehr als notwendig.

Die Kunst besteht darin, die Balance zu finden - zwischen dem Fühlen und Zulassen der Gefühle und dem Schwelgen darin. Letzteres wäre etwa der Fall, wenn dich deine sorgenvollen und ängstlichen Gedanken stundenlang beschäftigen und sich in deinem Kopf drehen und du das nicht abstellen kannst. Oder wenn du vor lauter Wut einen heftigen Streit anfängst oder Gegenstände durch die Gegend wirfst.

Ein gesunder, achtsamer Umgang mit Gefühlen könnte etwa so aussehen:

Du spürst ein ängstliches Gefühl. Du sagst zu dir selber: "Aha, da ist Angst. In Ordnung, du darfst jetzt da sein, liebe Angst." Dabei gehst du nicht in den Widerstand (ich will das weghaben!), sondern erlaubst der Angst, jetzt da zu sein. Du gibst dem Gefühl Raum. Dann spürst du im Körper, wo das Gefühl gerade sitzt (aha, mir ist ganz flau im Bauch), und lässt alles einfach da sein. Du bist die liebevolle Beobachterin deiner Angst und atmest mit ihr gemeinsam. Du weißt, dass Gefühle kommen und gehen - und das geht schneller, wenn wir es einfach zulassen, statt dagegen anzukämpfen. 

Auf diese Weise verarbeiten wir die Gefühle wirklich und es bleiben nicht Reste davon zurück, die uns später im Leben wieder einholen können. Oder die sich über die Zeit zu einer Depression oder körperlichen Symptomen auswachsen können.

4. Lebe im Jetzt.

Beobachte einmal, wie oft deine Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit verweilen. Gerade das Sorgenmachen ist etwas, das automatisch viel weniger wird, wenn wir wirklich im Hier und Jetzt leben. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft können wir nicht kontrollieren, auch wenn wir natürlich Pläne machen können. Angst zu haben, was alles passieren könnte, hat also gar keinen Sinn. Das heißt nicht, dass du plötzlich ganz sorglos wirst, im Sinne von "eh schon egal". Triff ruhig die Maßnahmen im Hier und Jetzt, mit denen du dich sicherer fühlst. Und dann denke nicht mehr darüber nach. 

Erinnere dich immer wieder daran, wenn du anfängst, dir Sorgen zu machen: Ich lebe hier und jetzt. Hier und jetzt ist alles in Ordnung. Hier und jetzt bin ich gesund. Hier und jetzt habe ich eine Wohnung und genug zu essen.  

Brooke Castillo (hier geht es zu ihrem englischsprachigen Podcast) empfiehlt, dem Best case scenario genauso viel Zeit in deinen Gedanken zu geben wie dem Worst case scenario. Du kannst dir also ruhig überlegen, was alles passieren könnte, aber überlege dir mindestens genauso lange, wie alles gut ausgeht und was alles passieren wird, wenn alles so kommt, wie du es dir wünscht. Und sei dir bewusst, dass beides gleich wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist, du kannst also wählen, worüber du mehr nachdenken möchtest. Und was denkst du, mit welchen Gedanken würdest du dich besser fühlen? :)

5. Plane bewusst deinen Nachrichtenkonsum.

Setze dich nicht ständig den neuesten Nachrichten aus. Die Medien leben davon, dass wir möglichst oft einschalten bzw. hinklicken, und das klappt besonders mit erschreckenden und negativen Nachrichten gut. Das heißt nicht, dass du den Kopf in den Sand stecken sollst (außer du willst), aber sei dir einfach des starken Einflusses auf deine Gedanken und deine Gefühle bewusst, wenn du die Nachrichten verfolgst. 

Ich nehme mich da auch an die eigene Nase und merke, dass ich teilweise fast süchtig die neuesten Meldungen zu Corona verfolge und nicht loslassen kann. Und an den Tagen, an denen ich nur ein- oder zweimal kurz reinschaue, geht es mir deutlich besser. Wie ist das bei dir?

So, das waren einige Empfehlungen für dich, wie du mit Ängsten und Sorgen besser umgehen kannst, ich hoffe, du kannst etwas davon für dich verwenden! Schreibe mir gerne in die Kommentare, was du tust, um in Krisenzeiten gelassen und zuversichtlich zu bleiben.

Kommentare

Liebe Katharina,
Danke - deine heutige Post hat mich an Metta- und Vipassana-Praxis erinnert und inspiriert. Meditation bringt so viel, und macht das Leben leichter, Sorgen erträglicher und und und... Alles Gute für dich, und für euch alle hier auf dieser Welt!

Danke liebe D.K. Für deine Rückmeldung.

Auch dir alles Gute.

Marina S. (Assistentin von Katharina)

Bild des Benutzers Marina S.

Hallo liebe Katharina,

von Nachrichten lasse ich mich nicht verrückt machen. ich schalte den Fernseher nur Do und Fr wegen meiner beiden Lieblingsserien ein, die anderen Tage lese ich viel lieber. Fr kommt halt "Heute" vor meiner Sendung, das reicht mir dann auch. Ansonsten lese ich Morgens/Mittags den Corona-Blog von der Tagesschau, weil ich den für seriös halte. Lese aber auch nur die Schlagzeilen, weil ich schlicht den Fokus darauf lege "was ist wirklich für mich wichtig? z.B. also wo und wann muss ich die Maske tragen?". Ebenso halte ich das mit den Nachrichten, die bundesweit/lokal sind..was ist davon wirklich wichtig für mich? Bei allen anderen, was ich als für mich unwichtig einstufe, lese ich nur die Schlagzeile und habe viel Zeit gespart. Ich glaube, wenn man sich vorher überlegt, was man lesen/konsumieren will, ist das schon die halbe Miete, als wenn man alles ungefiltert aufnimmt...

Danke erst mal für Deinen gesamten Artikel, denn auch die anderen Punkte sind wichtig und wertvoll. Gerade bei dem 3. Punkt hapert es bei mir, also die Balance zu finden.

Herzliche Grüße
Christiane Knaupe

Liebe Christiane.

Ich denke es ist für viele Menschen schwierig die Balance zu finden, weil wir oft anders erzogen wurden und oder mit der stressigen Zeit mit müssen. Leider ist es immer noch State of the Art, dass Schamgefühle aufkommen, wenn man sagt es geht nicht mehr oder man Pausen braucht. In der heutigen Leistungsgesellschaft ist die Balance zu finden wirklich schwierig.
Aber sich auf die Suche zu machen, was einem gut tut, wo man Pausen braucht, wo seine Grenzen sind, ist aus meiner Sicht schon der erste Schritt. Somit hast du das Thema schon in deinem Bewusstsein und gehst damit auch ganz anders um.

Das Beispiel mit der Angst in dem Text oben ist sehr gut. Angst ist ein Urgefühl, es ist einfach da. Wenn du die Angst rauswirfst bei der Tür, wird sie wütend und klopft immer wieder an. Wenn du sie allerdings reinlässt und ihr die Chance gibst, dass du sie dir genau ansehen kannst (welche Angst ist das? Wovor genau? Was steckt dahinter?) wird sie nicht mehr sooft klopfen.

Alles Gute für dich und bleib achtsam.

Alles Liebe,

Marina S. (Assistentin von Katharina)

Bild des Benutzers Marina S.

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