TCM

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist vor über 2000 Jahren entstanden und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt worden. Sie besteht aus den Zweigen Akupunktur, Kräuterheilkunde, Ernährungslehre, Tuina (Massagetechnik), Taichi und Qi Gong.

Sie wurzelt im Daoismus und ihr ursprüngliches Ziel war die Verlängerung des Lebens. Ein Arzt wurde im alten China nur bezahlt, solange der Patient gesund war. Sobald er krank wurde, galt das als Versagen des Arztes. Es ging also vor allem um Prävention. Wenn jemand erkrankt ist, wurde zuallererst versucht, mit einer Änderung der Ernährung eine Heilung zu erreichen. Erst wenn das nicht gelang, wurde auf Kräuter und Akupunktur zurückgegriffen. Die Ernährung kann also als Basis der Gesunderhaltung gesehen werden.

Yin und Yang

Die Theorie von Yin und Yang bildet das Rückgrat der TCM.


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Alle Phänomene auf der Erde können nach diesem System eingeteilt werden: der Tag ist Yang, die Nacht ist Yin, Wärme, Helligkeit und Bewegung sind Yang, Kälte, Dunkelheit und Ruhe sind Yin. Jedes kann nur durch die Existenz des anderen sein und enthält gleichzeitig einen Teil des anderen in sich. Auf den Körper bezogen ist alles Substanzielle wie Knochen, Blut und Körpersäfte Yin und alles Immaterielle wie Energie und Wärme Yang. Ziel ist die Harmonie zwischen Yin und Yang. Bei zu großer Disharmonie entsteht Krankheit. Konkret bedeutet das zum Beispiel den Ausgleich zwischen Arbeit und Erholung, Bewegung und Ruhe oder Wachen und Schlafen.

Qi, Shen und Jing 

Ein wesentlicher Begriff der TCM ist Qi. Man könnte es mit „Energie“ übersetzen, die den Körper überhaupt erst lebendig macht. Die drei Quellen für Qi sind: das „vorgeburtliche Qi“, das von den Eltern auf das Kind übertragen wird, das „Nahrungs-Qi“, das aus der Nahrung extrahiert wird, und das „Atem-Qi“, das von der Lunge aus der Luft gewonnen wird. Die Aufgaben des Qi: den Körper vor „bösartigen Einflüssen“ zu schützen (Immunsystem), ihn zu wärmen, Blut und Organe an ihrem Platz zu halten, Nahrung in körpereigene Substanzen umzuwandeln und allgemein jede Transformation und Bewegung im Körper zu regeln. Gesundheit bedeutet in diesem System: der Körper verfügt über ausreichend Qi und es fließt frei und ungestört. Deshalb auch die große Bedeutung von Qi Gong und Taichi: sie unterstützen den freien Qi-Fluss (und gewinnen „Atem-Qi“ aus der Luft).

Neben Qi zählen Shen und Jing zu den „drei Schätzen“ der TCM. Der Begriff Shen kann mit „Geist“ übersetzt werden, der in der Vorstellung der Chinesen im Herzen sitzt. Dieser ist mit der Kraft der menschlichen Persönlichkeit verbunden, mit Bewusstheit und der Fähigkeit zu denken. Er zeigt sich im Glanz der Augen und in der Ausstrahlung. Das chinesische Denken unterscheidet nicht zwischen Geist und Körper, das heißt, auch der Shen ist Teil des Körpers genauso wie zum Beispiel die Organe. Das bedeutet, dass der „Geist“ ebenso mit Ernährung oder Akupunktur beeinflusst werden kann. Wenn der Shen in Disharmonie ist, wird der Betroffene vergesslich, leidet an Schlaflosigkeit oder redet wirr.

Jing bedeutet die „Essenz“ und liegt allem Leben zugrunde. Es sitzt in den Nieren und ist die Basis für Fortpflanzung, Entwicklung und Sterben. Ein Teil von Jing ist vorgeburtlich und mit den westlichen Genen vergleichbar. Das vorgeburtliche Jing ist kostbar, da es nicht aufgefüllt werden kann und eine Art Lebenskerze darstellt. Wenn es verbraucht ist, stirbt der Mensch. Durch ausgeglichene Lebensweise ohne Extreme kann man es schonen. Der zweite Teil des Jing ist nachgeburtlich und kann durch gute Ernährung und Bewegung aufgefüllt werden. Je besser das nachgeburtliche Jing gepflegt wird, desto weniger muss das vorgeburtliche angegriffen und verbraucht werden. Die TCM geht davon aus, dass man dadurch sein Leben verlängern kann. Quelle: Ted J. Kaptchuk, Das große Buch der chinesischen Medizin, Frankfurt a.M. 2006

Diagnostik

Akupunktur, Kräuterheilkunde und Ernährungslehre beruhen auf demselben Diagnosesystem, das aus Beobachten, Hören und Riechen, Betasten und umfassendem Befragen besteht. Im Mittelpunkt stehen die Zungen- und Pulsdiagnose, die gemeinsam mit den anderen Untersuchungsmethoden Aufschluss über den energetischen Zustand der Person und der einzelnen Organsysteme (nicht gleichzusetzen mit den westlichen Organen, da es in der TCM um die Funktion geht und nicht um die Anatomie) geben. Das heißt, es wird festgestellt, ob, und wenn ja, wo Yin oder Yang im Mangel oder in Fülle sind, ob genug Qi insgesamt bzw. in den einzelnen Organsystemen vorhanden ist und mehr.

Wichtiger Hinweis: Eine Diagnose bei einer TCM-Ernährungsberatung kann keine Diagnose bei einem Arzt ersetzen!

5 Elemente 

Ein im Westen bekanntes Denkmodell der Traditionellen Chinesischen Medizin ist jenes der 5 Elemente oder genauer 5 Wandlungsphasen. Es besagt, dass alle Phänomene der Welt zu einer oder mehreren Wandlungsphasen zugeordnet werden können, die sich gegenseitig hervorbringen und kontrollieren. Nichts ist konstant, alles befindet sich in ständiger Veränderung.

Ein Beispiel dafür sind die Jahreszeiten: Das Holz entspricht zum Beispiel dem Frühling, der den Sommer (Feuer) hervorbringt. Dieser geht in den Herbst über (Metall) und dann in den Winter (Wasser). Wasser erzeugt wieder Holz und der Kreislauf geht von vorne los. Die Erde hat eine Sonderstellung, sie ruht in der Mitte und verbindet jede Jahreszeit mit der nächsten. Außerdem wird sie dem Spätsommer, der Zeit der Ernte, zugerechnet.

Wichtig in der Diagnostik nach TCM ist die Zuordnung der Organsysteme (nicht gleichzusetzen mit den Organen im westlichen Sinn, da es um die Funktion geht und nicht um die Anatomie):

  • Holz: Leber, Gallenblase
  • Feuer: Herz, Dünndarm
  • Erde: Milz, Magen
  • Metall: Lunge, Dickdarm
  • Wasser: Niere, Blase 

Auch alle Nahrungsmittel können einer oder mehreren Wandlungsphasen zugeordnet werden, je nach Geschmack und Farbe:

  • Holz: sauer, grün (Beispiele: Zitrone, Petersilie)
  • Feuer: bitter, rot (Beispiele: Chicoree, Rote Rüben)
  • Erde: (natur)süß, gelb (Beispiele: Karotten, Marillen)
  • Metall: scharf, weiß (Beispiele: Pfeffer, Radieschen)
  • Wasser: salzig, schwarz (Beispiele: Sojasauce, schwarzer Sesam)

Bei der Ernährung nach TCM geht es darum, alle 5 Wandlungsphasen zu stärken und entsprechende energetische Ungleichgewichte zu beseitigen. Das bedeutet nicht, bei einem Ungleichgewicht im Holzorgan Leber nur noch Saures zu essen, das wäre zu einfach. Die 5 Wandlungsphasen stehen in unterschiedlichen Beziehungen zueinander, neben dem Hervorbringungszyklus (siehe oben) gibt es zum Beispiel auch den Kontrollzyklus. Holz wird von Metall kontrolliert („Metall schneidet Holz“), das heißt man verwendet auch den scharfen Geschmack, um die Leber zu beeinflussen.

Die Geschmäcker haben außerdem eine Wirkung auf die Richtung des Qi im Körper: Sauer: zusammenziehend, Säfte haltend Bitter: ausleitend, herabsinkend, trocknend Süß: harmonisierend, wirkt in alle Richtungen, befeuchtend, nährend Scharf: verteilend, nach außen und oben wirkend, bewegt das Qi Salzig: in die Tiefe, aufweichend

Eine wesentliche Rolle spielt bei der Ernährung nach TCM die thermische Wirkung der Nahrungsmittel. Rettich und Kohlrabi wirken zum Beispiel scharf-kühlend, Pfeffer und Chili hingegen scharf-erhitzend. Je nach Typ muss genau abgewogen werden, welche Nahrungsmittel für den persönlichen energetischen Zustand günstig oder ungünstig sind.

Insgesamt gilt die Empfehlung, bei der Ernährung Extreme zu vermeiden, das heißt: alle 5 Geschmäcker berücksichtigen, keinen Geschmack überbetonen, nicht zu kühlend und nicht zu erhitzend essen.

Die Schule der Mitte ist ein Modell, das den Funktionskreis Milz/Magen in den Mittelpunkt stellt. Alle Erkrankungen können ihrer Meinung nach durch Stärkung der Mitte geheilt werden. Westlich gesehen ist damit die Stärkung des gesamten Verdauungssystems gemeint, also auch des Darms. Das wird erreicht, indem auf die Bekömmlichkeit der Nahrung geachtet wird. Nach chinesischer Vorstellung braucht der Verdauungsvorgang Wärme. Wenn man hauptsächlich gekochte Nahrung zu sich nimmt, unterstützt man diesen Prozess und der Stoffwechsel funktioniert besser.